Aktuelles

Einladung zum Digitalen Donnerstag

Einladung zum Digitalen Donnerstag

Liebe Kolleg_innen, Freund_innen, Neugierige, Teilnehmer_innen und Interessierte am Digitalen Donnerstag,

der digitale Donnerstag legt eine Sommerpause ein.

Sechs Mal haben wir uns digital getroffen. Wir haben gemeinsam eine Lesung gehört, einen Film geschaut, Workshops und Interviews gehalten, Gespräche und Diskussionen geführt und Musik gelauscht.  Was digital alles möglich ist!

Ein großer Dank an die so unterschiedlichen Referent_innen, die alle mit sehr viel Engagement einen Abend gestaltet haben.  Und danke, liebe Teilnehmer_innen für Bereitschaft und Begeisterung, sich einzulassen und für die positiven Rückmeldungen ebenso wie für kritische Anmerkungen und kontroverse Auseinandersetzungen.

Wir wünschen Ihnen und Euch einen schönen Sommer mit vielen persönlichen Begegnungen und freuen uns auf ein Wiedersehen:  im September bei der Klinischen Tagung (online) oder im Oktober beim nächsten Digitalen Donnerstag!

Der FWA

 

Rückblick: Vergangene Veranstaltungen

Digitaler Donnerstag am 10.06.2021, 20:00 Uhr:

Katchi – Sex und Erotik im Pop-Song: ein lohnenswertes Entdeckungsfeld für Psychotherapeut*innen

(Achtung: Aufgrund des Feiertags am 1. Donnerstag im Juni, dieses mal am 2. Donnerstag des Monats)

Katchi: liebevolle Berührung.

Wird auch verwendet, um auszusagen,

dass jemand eine aufregende sexuelle Erfahrung hatte.

Im Yoga bedeutet Katchi:

Ansammlung von Freude und „zärtliche Berührung“

oder „am Ufer des Flusses“

Sex als Thema im Pop-Song: Eine eigentlich naheliegende Verbindung der Interessensgebiete von Lothar Duda und Günter Ruggaber, nämlich der Sprach- bzw. Diskurskritik einerseits und der Sexualwissenschaft bzw. -therapie andererseits. Da kommt dann bei beiden noch die Freude an populärer Musik dazu und schon kann sich was ergeben…

Sex ist seit jeher das mediale Schmiermittel um den Laden am Laufen zu halten. Genauso allgegenwärtig wie instrumentalisiert bzw. funktionalisiert. Nach wie vor scheint nichts besser die Aufmerksamkeit zu erregen, Interesse zu wecken, zu locken und zu binden. Das gilt auch in der Popmusik. Gibt es dort aber jenseits dieser funktionalen Nutzung von Sexualität auch das diskursive Ausdrücken von sexueller Erfahrung, den Einstieg in eine (annähernd) aufrichtige Auseinandersetzung mit sexuellem Erleben und der einhergehenden Verunsicherung?

Ihre erste, vorläufige Antwort war: Ja. Und die galt es nun zu belegen.

Die Idee und der Auftrag zu dieser Playlist, war also geboren – und das auch gern links und rechts abschweifend vom Chart-Mainstream. Und es war in erster Linie der Spaß, den sie damals hatten, der sie jetzt zu diesem neuen Projekt verführt hat, das sie „Katchi“ getauft haben.

Ihr „Forschungsgegenstand“ bietet ideale Möglichkeiten diesen Spaß mit ihrem jeweiligen wissenschaftlich-therapeutischen Blickwinkeln zu verbinden: der Sprach-bzw. Diskurskritik einerseits und der Sexualwissenschaft bzw. -therapie andererseits.

Vordergründig ganz unterschiedliche Themenfelder verbinden sich doch wieder in ihrer gemeinsamen Überzeugung, dass der Mensch und seine Psyche nur verstanden werden kann mit Blick auf die Vielschichtigkeit seiner Lebenswelt und der unterschiedlichen Ausdrucksformen, in denen er mit dieser in Beziehung steht. Und da ist Musik Ausdruck des/r Interpret*in einerseits und Impulsgeber für die Zuhörer*in andererseits.

Für Psychotherapeut*innen ein lohnenswertes Entdeckungsfeld! Eileen Murray diskutiert mit beiden über ihr aktuelles Projekt „Katchi“. Mehr Information zum Projekt „Katchi“  findet sich hier.

Die Personen

Dipl.-Psych. Lothar Duda: Psychologischer Psychotherapeut für Erwachsene, Ausbildung in VT und ST, Ko-Leiter des DGVT-Ausbildungsinstituts Dortmund. Teilt gerne seine Faibles für Musik und Filme.

Dipl.-Psych. Eileen Murray: Psychologische Psychotherapeutin (VT), Leitung Ausbildungsambulanz in Konstanz, Dozentin im Ausbildungssetting unter anderem für Sexualität/sexuelle Funktionsstörungen. Hat über ihre Tanzleidenschaft die Welt der Musik entdeckt und findet es wird zu wenig über Sexualität und Musik gesprochen.

Dipl.-Psych. Günter Ruggaber: Psychologischer Psychotherapeut, Paar- und Sexualtherapeut (DGfS), Verhaltenstherapeut, Tübingen. Dozent zum Thema Sexualität/sexuelle Störungen im Rahmen der Psychotherapieausbildung. Musik- und Filmliebhaber.

 

Digitaler Donnerstag am 06.05.2021, 20:00 Uhr:

Sexarbeit zwischen Mythen und Realität

Über Sexarbeit gibt es viele Mythen und Vorurteile. Diese beeinflussen im erheblichen Sinne die politische und mediale Diskussion. Auch haben sie Einfluss auf die Ausgestaltung von Gesetzestexten und führen zu einer nicht zu vernachlässigenden Stigmatisierung von Sexarbeiter_innen. Stigmatisierung erzeugt Scham für die Betroffenen und verringert deren Selbstwertschätzung. Sie hindert Sexarbeiter_innen daran, mit Selbstvertrauen eine (berufliche) Identität aufzubauen. Mangelndes Selbstvertrauen und (berufliche) Identitätsprobleme machen sie wiederum anfälliger für (psychische) Abhängigkeitsverhältnisse und (psychische sowie finanzielle) Ausbeutung.

Im Gespräch mit der Sexualwissenschaftlerin Harriet Langanke und der Sexarbeiterin Daria Oniér wird Dr. Jörg Signerski-Krieger einige Mythen und Vorurteile an der Schnittstelle von Sexualität und Kommerzialität kritisch hinterfragen und mit ihnen Fragen und Beiträge aus dem Publikum diskutieren.

Dauer: ca. 120 Minuten

 

Digitaler Donnerstag am 01.04.2021, 20:00 Uhr:

BDSM in der Therapie

Inhalt: Inhalt: BDSM steht für Bondage, Discipline/Dominance, Sadism/Submission und Masochism, also Fesselung, Disziplin/ Herrschaft, Sadismus/Unterwerfung und Masochismus. Der Begriff ‘Kink’ wird oft als Synonym verwendet und steht für sexuelle Identitäten, Verhaltensweisen und Interessen, die von der Mehrheitsgesellschaft meistens nicht akzeptiert werden.

Auch im Gesundheitssektor stoßen Menschen, die BDSM praktizieren, oft auf Unwissen, Befremden oder urteilende Haltungen.  BDSM ist aber für viele ein guter Weg, sich sexuell auszudrücken. Es kann – wie andere Formen von ‘Queerness‘ – dazu dienen, sowohl das Narrativ über die ‚Natürlichkeit‘ sexueller Interessen und Handlung als auch die normativen Verbindungen zwischen sexuellen Handlungen und der Stabilität sexueller Identität und Orientierung aufzulösen.

Die international tätige Psychologin Karina Kehlet Lins wird uns bei dieser Veranstaltung eine Einführung vor allem aus therapeutischer Sicht in die Thematik geben. Dieser Abend soll helfen, Unwissen und Vorurteile abzubauen und Menschen, die BDSM praktizieren, einen niedrigschwelligen und nicht pathologisierenden Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen. Alle, die sich für das Thema interessieren, sind herzlich eingeladen.

Person: Karina Kehlet Lins, Dipl.-Psych., Paar- und Sexualtherapeutin, Lehrtherapeutin für Systemische Therapie. Bücher: ‘Sprechen über Sex’, ‘Einführung in die systemische Sexualtherapie’ (Carl-Auer Verlag), www.karinalins.com

 

 

Digitaler Donnerstag am 04.03.2021:

Filmabend „Kopfplatzen“ mit Hauptdarsteller Max Riemelt im Gespräch.

Deutschland, 2019, 99 Minuten, deutsche Originalfassung, FSK 16
© salzgeber

Willkommen zu unserem ersten digitalen Filmabend! Auftakt gibt der Spielfilm „Kopfplatzen“ (FSK 16), in dem der Schauspieler Max Riemelt auf beeindruckende Art und Weise den pädosexuellen Protagonisten Markus darstellt. Markus ist 29, Single und Architekt. Was niemand von ihm weiß: Körper von kleinen Jungen erregen ihn sexuell. Er hasst sich dafür und kämpft jeden Tag gegen sein Verlangen an. Als die alleinerziehende Mutter Jessica mit ihrem achtjährigen Sohn Arthur in die Nachbarwohnung einzieht, verliebt sie sich in den hilfsbereiten Markus und eine tragische Entwicklung nimmt ihren Lauf. Weitere Informationen zum Film + Trailer unter salzgeber.de/Kopfplatzen

Programm

  • 18:00 Uhr: Begrüßung (über Zoom), anschließend Filmschauen (über vimeo; wer nicht die Möglichkeit hat, bereits um 18:00 Uhr teilzunehmen, kann den Film auch in der Woche vor der Veranstaltung anschauen und um 20:00 Uhr zur Diskussion dazukommen)
  • 20:00 Uhr: Plenum (Zoom) und Austausch in Kleingruppen. Gelegenheit, Kolleg*innen zu begegnen und ggf. Fragen an den Hauptdarsteller Max Riemelt zu formulieren
  • 20:30 bis 21:30 Uhr: Gespräch mit Max Riemelt. Die Psychotherapeut*innen Dr. Reinhardt Kleber und Dipl.-Psych. Annika Flöter diskutieren mit dem Hauptdarsteller des Films und beziehen Fragen des Publikums mit ein. Dabei geht es um die filmische Darstellung von Pädosexualität und der therapeutischen Arbeit mit pädosexuellen Menschen sowie die Ambivalenzen, die das Thema bei den Beteiligten auslöst. Wie erlebte Herr Riemelt die Arbeit am Film und die Reaktionen auf seine Rolle? Wie geht es uns Therapeut*innen mit diesem filmischen Zugang zur Innenwelt des Protagonisten – und mit den vermeintlichen Lösungsmöglichkeiten, die der Film anbietet?

 

Digitaler Donnerstag am 04.02.2021:

„Dann kannst du tun mit mir, was ich will … Ein differenzierungsorientierter Blick auf Paare und ihre sexuellen Probleme“

Zielgruppe der Veranstaltung: Sexualtherapeut*innen und Sexualberater*innen, Ärzt*innen

Inhalt: Da der größte Teil sexueller Begegnungen in verbindlichen Beziehungen stattfindet, können wir davon ausgehen, dass auch ein großer Teil von sexuellen Problemen dort auftritt. Die Wechselwirkungen von Beziehungsdynamik und Beziehungssexualität spüren sowohl Paar- als auch Sexualtherapeut:innen. Und sie machen die Arbeit nicht unbedingt leichter! Differenzierung ist ein Konzept der systemischen Familientherapie und geht auf Murray Bowen zurück. David Schnarch entwickelte auf dieser Basis seine Crucible® Paartherapie als Synthese von Paar- und Sexualtherapie. Berit Brockhausen zeigt, wie die differenzierungsbasierte Perspektive auf Paarbeziehung und Sex das Vorgehen in der Therapie beeinflusst, welche Schwerpunkte gesetzt werden und wie mit typischen Schwierigkeiten umgegangen wird. Sie stellt die wichtigen Elemente und Interventionen dieses Ansatzes praxistauglich vor.

Person: Berit Brockhausen, approbierte psychologische Psychotherapeutin, arbeitet seit 1985 in der Paar- und Sexualberatung/-therapie, seit 2007 ausschließlich mit Paaren. Sie ist Autorin mehrerer Ratgeber (u.a. „Guter Sex geht anders“, Humboldtverlag), Supervisorin der DGfS und Dozentin für Paartherapie (u.a. für die DGVT)

Beginn 20.00 Uhr, Dauer: ca. 135 min. 

Angesichts der großen Nachfrage haben wir einen Zusatztermin für die Veranstaltung mit Berit Brockhausen organisiert. Dieser fand am Dienstag, den 09.02.2021 um 20 Uhr statt. 

 

Digitaler Donnerstag am 07.01.2021:

Lesung „Sie hat Bock“ mit Katja Lewina

Was ist sexistisch an unserem Sex? Katja Lewina hat Bock, und sie schreibt darüber. Wäre sie ein Mann, wäre das kein Ding. So aber ist sie: »Schlampe«, »Nutte«, »Fotze«, »Hoe« … Seit #metoo werden die Rufe nach der potenten Frau laut und lauter. Aber hat eine, die ihr sexuelles Potenzial jenseits von »stets glatt rasiert und gefügig« lebt, in unserer Gesellschaft tatsächlich einen Platz? Lewina führt die Debatte über weibliches Begehren fort und erforscht entlang ihrer eigenen erotischen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt. Kindliche Masturbation, Gynäkolog*innenbesuche, Porno-Vorlieben oder Fake-Orgasmen: Kein Thema ist ihr zu intim. Und nichts davon so individuell, wie wir gern glauben. Aber die Krusten unserer Sozialisation lassen sich abkratzen! Und so ist ›Sie hat Bock‹ mehr Empowerment als Anprangern, mehr Anleitung zur Potenz als Opferdenke. Denn nach der Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten und Tabus ist es an der Zeit, den Weg zur Selbstermächtigung einzuschlagen.

Katja Lewina studierte Slavistik, Literatur- und Religionswissenschaften und schreibt heute als Journalistin zum Thema Sex u. a. für die Süddeutsche, ZEIT ONLINE, Deutschlandfunk Nova, Brigitte, Emotion, VICE und den Playboy. Ihr entwaffnend ehrliches Buch „Sie hat Bock“ kletterte nach der Veröffentlichung in die Spiegel Bestsellerliste und hat eine neue feministische Diskussion über weibliche Lust und Sexualität angestoßen.

Beginn 20.00 Uhr, Dauer: ca. 120 min.

Gemeinsame Stellungnahme zur Begutachtungsanleitung Geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Transsexualismus

Gemeinsame Stellungnahme zur Begutachtungsanleitung Geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Transsexualismus

Nachdem im Oktober 2018 die S3 Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: S3-Leitlinie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung“ unter Federführung der DGfS veröffentlicht worden ist, wurde mit Spannung auf eine Überarbeitung der Begutachtungsanleitung und Richtlinie des GKV-Spitzenverbandes (Spitzenverband Bund der Krankenkassen) „geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Transsexualismus (ICD-10, F64.0)“ gewartet.

Nach zwei Jahren ist Ende November 2020 die überarbeitete Fassung vom MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkasse e.V.) veröffentlicht worden. Inzwischen haben sich die Mandatsträger_innen der ehemaligen S3 Arbeitsgruppe zusammengesetzt und eine kritische Stellungnahme erarbeitet.

Die Stellungnahme finden Sie hier.

Update: Auch die Bundespsychotherapeutenkammer fordert in einer am 20. April veröffentlichten Pressemitteilung die Rücknahme der Krankenkassen-Richtlinie.

IATSO-Konferenz 2021 in Frankfurt

Vom 25.-27. August findet in Frankfurt (hybrid) die 16. Konferenz der International Association for the Treatment of Sexual Offenders (IATSO) statt. Weitere Informationen zum Programm, möglichen Änderungen vor dem Hintergrund der Pandemie, sowie Anmeldemöglichkeiten gibt es hier: https://www.iatso.org/index.php/frankfurt-2021

Zeitschrift für Sexualforschung: Schwerpunktheft zur Sexarbeit

Zeitschrift für Sexualforschung: Schwerpunktheft zur Sexarbeit

Das Heft 4/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung ist ein von Nicola Döring herausgegebenes Schwerpunktheft zur Sexarbeit. Sexarbeit ist ein Thema, das die Bevölkerung mehrheitlich nicht aus eigener direkter Erfahrung kennt. Mediendarstellungen prägen dementsprechend das Bild und die öffentliche Meinung über Prostitution. Das reicht von glorifizierenden Darstellungen wie im Kult-Film „Pretty Woman“, wo die fröhliche Prostituierte im schwerreichen Kunden ihre große Liebe findet, bis zu reißerischen und alarmistischen Presseberichten über Deutschland als angebliches „Bordell Europas“ und Zentrum des Menschenhandels, wie sie z.B. im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zu lesen waren. Das Schwerpunktheft verfolgt das Ziel, mediale Mythen und Fiktionen zur Sexarbeit mit wissenschaftlichen Fakten zu konfrontieren. Es bietet Originalarbeiten aus der Forschung, einen Kommentar zur rechtlichen Regulierung der Sexarbeit sowie Berichte aus der Praxis.

Die Ausgabe ist hier auf der Seite des Verlags abrufbar.

Sexualitäten in Zeiten von Corona SARS CoV 2 – Gedanken des Vorstandes der DGfS

Sexualitäten in Zeiten von Corona SARS CoV 2 – Gedanken des Vorstandes der DGfS

Die Corona-Pandemie fordert uns heraus. Wir müssen unser Denken und Handeln der aktuellen Situation anpassen, unser Leben neugestalten und unsere zwischenmenschlichen Kontakte kontrollieren. Wir müssen Abstand halten und das unterstützt die DGfS.

Im Rahmen der Pandemie mag es zunächst überflüssig klingen, wenn wir unsere Gedanken den Sexualitäten des Menschen widmen. Doch als Vorstand der DGfS fühlen wir uns verantwortlich, Sexualitäten als unschätzbar wertvolle Erlebensmomente des Menschen und als Teil einer ganzheitlichen Gesundheit in allen Zeiten im Auge zu behalten und zu kommunizieren, auch in dieser globalen Krise. Berührt hat uns ein Kommentar des russischen Theaterregisseurs Kirill Serebrennikow, der anderthalb Jahre in heimischer Isolation war. Deutschlandradio Kultur zitiert seine Erfahrungen: „Tun Sie, wozu Sie Lust haben. Gucken Sie jeden Tag einen neuen Film. Hören Sie neue Musik. Haben Sie jeden Tag Sex. Säen Sie Blumen auf der Fensterbank aus. Nähen Sie sich ein neues Kleid.“ Hauptsache, es bereitet Vergnügen. „Sie sollten sich jeden Tag über irgendetwas unglaublich freuen.“ (www.deutschlandfunkkultur.de)

Die Corona-Pandemie reduziert die Möglichkeiten menschlicher Begegnungen auf der körperlichen und auch auf der erotisch-sexuellen Ebene. Anders als im Rahmen der HIV-Epidemie greift das Corona SARS CoV 2 alle Formen sexueller Kommunikation an. Eine sexuelle Minderheit kann diesmal nicht diskriminiert werden, zum Glück. Da es unter dem Corona SARS CoV 2 keinen „geschützten Verkehr“ gibt, sich aber im Moment der sexuellen Lust die Kontrolle über vernünftiges Handeln – physiologisch – reduziert, muss das Thema „Sexualitäten zu Zeiten von Corona SARS CoV 2“ aus unserer Sicht transparent kommuniziert werden und öffentliche Aufklärung erfolgen. Jede_r trägt Verantwortung. Auch die DGfS und ihre Mitglieder sind aufgerufen, durch Austausch, Information und Gespräche dazu beizutragen, Infektionswege zu reduzieren. Es gilt dabei, die Menschen zu ermuntern, Möglichkeiten des sexuellen Lebens ohne Infektionsgefahr untereinander offen zum Thema zu machen. Das kann einen wichtigen Teil zur Gesunderhaltung beitragen, körperlich wie psychisch.

Sexuelles Begehren lässt sich nicht durch Ausgangsbegrenzungen regulieren – ein Aspekt, der in öffentlichen Aufklärungskampagnen neben wichtigen Verhaltensregeln und existenziell bedeutsamen Informationen nicht vergessen werden darf. Die Bewusstwerdung, die eigene Sexualität wieder zügeln zu müssen, kann unermesslich schmerzlich sein. Mal wieder zeigt sich das Sexuelle in dem Konflikt, in dem es immer schon war: Im Konflikt zwischen Begierde und Verbot – ein scheinbar unlösbares Dilemma.

Sexualwissenschaftlich stellen sich viele Fragen. Es wird spannend zu erforschen, wie sich Sexualitäten unter dem Corona SARS CoV 2 verändern und möglicherweise entwickeln. Schon jetzt zeigt sich in Ländern mit durchgesetzter Ausgangs- und Kontaktsperre ein signifikanter Anstieg der Nutzung von Internetpornographie. Und vielleicht wird die Pandemie generell den schon jetzt so vielfältigen digitalen sexuellen Interaktionen eine noch breitere Nutzer_innenschaft bescheren. Wir haben aber nicht nur neosexuelle Formen oder digitale Sexualitäten im Auge, sondern den sexuellen Bewegungsspielraum von uns allen, von der Jugend bis ins Alter. Erste sexuelle Begegnungen in der Pubertät, Spontaneität und Ausprobieren in den Sexualitäten sind mit Infektionsgefahr verbunden. Jeder Seitensprung, jede Umarmung, jeder Kuss, jede Berührung, polyamouröses Liebesleben, bereits „kleine“ sexuelle Abenteuer können zu gesundheitlichen Folgen führen.

Noch ist es zu früh, von einer Ära der sexuellen Umwälzung zu sprechen, aber das Nachdenken darüber hat begonnen. Untersuchungen, wie sich die Pandemie auf sexuelle Verhaltens- und Erlebensweisen, und auch auf Minoritätenstress auswirken wird, sind in Vorbereitung. Das begrüßen wir. Wir möchten Sie und uns auch ermutigen, die Beobachtungen und Erfahrungen in den Arbeitsfeldern festzuhalten, vielleicht zu verschriftlichen, und untereinander, gerne auch mit uns auszutauschen. Schon jetzt wissen wir im Vorstand, dass das Thema „Corona SARS CoV 2 und Sexualitäten“ uns in der Folgezeit und somit auf unseren nächsten Tagungen beschäftigen wird – zur Reflexion und Bewältigung, und zur Erarbeitung neuer Erkenntnisse.

Uns liegt am Herzen, all die Menschen zu erwähnen, die dauerhaft therapeutischer Hilfen bedürfen. Insgesamt ist in allen Versorgungsstrukturen des Gesundheitssystems mit Ungewissheit und Wartezeiten zu rechnen. Vielerorts ist eine anhaltende Versorgung mit sexualtherapeutischer Expertise und stützenden Strukturen nun erschwert, manchmal sogar unterbunden. Soziale Haltepunkte, von der Gruppentherapie bis zu Selbsthilfetreffen, fallen weg. Geplante Operationen zur Milderung von Geschlechtsinkongruenz werden abgesagt und auf unbestimmte Zeiten verschoben. All dies sind Bedrohungen und Risikofaktoren für die Gesundheit unserer Klient_innen. Es lässt sich jetzt schon erleben, wie unterschiedlich die Reaktionen sind. Es gibt Menschen, die in dieser Zeit gute Ressourcen zeigen, aber auch diejenigen, die in schwere psychische Krisen geraten, so dass wir auch mit suizidaler Gefährdung rechnen müssen. Auf all diese Reaktionsmuster wollen wir vorbereitet sein.

Daher sind wir herausgefordert, bewährte und neue Formen des therapeutischen und kollegialen Kontakts, wie etwa Telefonate, Briefe und Videosprechstunden wiederzuentdecken oder zu erproben, und die Erfahrungen damit festzuhalten und zu untersuchen.

So möchten wir auch als Netzwerk und als Fachgesellschaft im Kontakt mit Ihnen bleiben. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und zu lesen. Halten Sie Abstand, und bitte bleiben Sie in Verbindung!

Wir bleiben verbunden, mit guten Wünschen

Ihr Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS)

 

Kontakt: Annette Güldenring (Gueldenring@dgfs.info)

Schwerpunktheft der Zeitschrift für Sexualforschung: Die neue „Anti-HIV-Pille“ (orale HIV-PrEP) und ihre Folgen

Schwerpunktheft der Zeitschrift für Sexualforschung: Die neue „Anti-HIV-Pille“ (orale HIV-PrEP) und ihre Folgen

Heft 4/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung widmete sich als ein von Nicola Döring herausgegebenes Schwerpunktheft der oralen HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (kurz: HIV-PrEP). Das komplette Heft finden Sie online unter https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/issue/10.1055/s-009-45324

 

Aus dem Editorial:

Seit September 2019 wird in Deutschland gemäß neuem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) der medikamentöse Schutz vor einer HIV-Infektion von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Technisch gesprochen geht es um die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (kurz: HIV-PrEP oder PrEP). Die HIV-PrEP beinhaltet ein antiretrovirales Medikament und ist gedacht für HIV-negative Menschen, die ein substanzielles HIV-Übertragungsrisiko haben. Wenn sie täglich die „Anti-HIV-Pille“ einnehmen, erreichen sie einen klinisch nachgewiesen sehr hohen HIV-Infektionsschutz von bis zu 99 %. Neben der dauerhaften bzw. täglichen Einnahme (Long-term PrEP) ist auch eine anlassbezogene Einnahme möglich (Short-term PrEP, Event-driven PrEP, Episodic PrEP = Epi-PrEP). Die anlassbezogene PrEP kann beispielsweise gezielt für Partys, Festivals oder Reisen eingenommen werden, bei denen riskante Sexkontakte erwartet werden. Wer die verschreibungspflichtige PrEP einnimmt, muss alle drei Monate auf HIV, andere sexuell übertragbare Infektionen (Sexually Transmittal Infections: STI) und die Nierenfunktion untersucht werden. Eine gute medizinische Begleitung gehört zur PrEP also dazu.

Der medikamentöse HIV-Schutz wurde bereits 2012 in den USA zugelassen, Europa folgte 2016. Als Erstes ging das pharmazeutische Unternehmen Gilead mit dem auch in der HIV-Therapie genutzten Kombinationspräparat Truvada (Wirkstoffe: Emtricitabin und Tenofovir-Disoproxil) auf den Markt. Die Medikamentenkosten waren anfangs sehr hoch (ca. 800 Euro für eine Monatsdosis auf Privatrezept). Bis heute steht Gilead für seine Preispolitik bei der PrEP weltweit in der Kritik. Inzwischen sind jedoch deutlich kostengünstigere Generika verfügbar (ab 40 Euro für eine Monatsdosis). Zudem ist, wie eingangs erwähnt, die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland jetzt prinzipiell gesichert.

Rund 30 Jahre nach Beginn der Aids-Epidemie besteht nun die Hoffnung, mit verstärkten Präventionsbemühungen – einschließlich der PrEP als hochwirksamer, neuer Methode im HIV-Präventionsbaukasten – bis 2030 eine „Welt ohne Aids“ zu schaffen. Gleichzeitig verspricht die PrEP einen deutlichen Zugewinn an sexuellem Wohlbefinden durch wiedergewonnene Angstfreiheit und unbeschwertere Lust. Oder ist diese Sichtweise zu optimistisch? Wie steht es um die – nicht nur medikamentösen – Risiken und Nebenwirkungen der PrEP? Das vorliegende PrEP-Schwerpunktheft der „Zeitschrift für Sexualforschung“ will diesen Fragen nachgehen, den aktuellen Diskussions- und Forschungsstand zur PrEP aufgreifen und weiterentwickeln.

Was ändert sich durch die PrEP?

Die aktuellen Auseinandersetzungen mit der oralen PrEP sind nicht nur mit den seit den 1960er-Jahren geführten Diskussionen um orale Kontrazeptiva für Frauen in Verbindung zu bringen, sondern natürlich vor allem auch mit den seit den 1980er-Jahren geführten kontroversen Debatten zu HIV und Aids. So sind in der „Zeitschrift für Sexualforschung“ in den letzten 30 Jahren rund 30 HIV-/Aids-bezogene Beiträge erschienen. Der früheste stammt von Martin Dannecker (1988) und vertrat die These „Aids ändert alles“, nämlich den gesamten gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität, insbesondere mit männlicher Homosexualität, die durch Aids unter ein Diktat der allgegenwärtigen Angst und des Verzichts gestellt werde. Noch im selben Jahr konterte Reimut Reiche (1988) mit der These „Aids ändert nichts“: Grundlegende Triebängste und Triebwünsche rund um Sexualität seien schließlich immer gleich und würden nur anhand aktueller Phänomene – wie der damals angstvoll aufgeheizten Aids-Debatte – jeweils besonders sichtbar. Der Sorge um eine Re-Stigmatisierung mann-männlicher Sexualität widersprach Reiche mit der Feststellung, männliche Homosexualität sei in Wahrheit nie wirklich entstigmatisiert gewesen. Wie grundlegend, nachhaltig, bewusst und unbewusst die sexualmoralischen Änderungen sein werden, welche die noch relativ neue PrEP mit sich bringen wird, dürfen wir uns fragen.

Nicht zu vergessen ist indessen, dass Aids und PrEP insofern immer dann „sehr viel ändern“, wenn sie im Einzelfall tatsächlich Menschenleben bedrohen bzw. schützen. Die WHO zieht aktuell folgende Bilanz: Seit Beginn der Aids-Epidemie haben sich mehr als 70 Millionen Menschen mit HIV infiziert, knapp die Hälfte (35 Millionen Menschen) sind daran gestorben. Heute leben rund 37 Millionen Menschen weltweit mit HIV, davon werden bislang 22 Millionen (59 %) antiretroviral behandelt.

Vor gut zehn Jahre verkündete Martin Dannecker in dieser Zeitschrift den „Abschied von Aids“. Denn medizinisch ist die HIV-Infektion vom sicheren Todesurteil zu einer gut beherrschbaren chronischen Erkrankung mit durchschnittlicher Lebenserwartung geworden. Das gilt zumindest in Ländern mit hohem Wohlstandsniveau und guter medizinischer Versorgung. So schreitet die medizinische Forschung und Entwicklung im Bereich HIV fortwährend voran. Sozialwissenschaftlich ist das Interesse am Thema hierzulande jedoch offenbar deutlich zurückgegangen: Der letzte HIV-/Aids-bezogene Beitrag in dieser Zeitschrift erschien denn auch vor mehr als fünf Jahren. Buchrezensionen griffen das Thema jedoch gelegentlich noch auf. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist von dezidierten Anti-HIV-/Aids-Kampagnen („Gib AIDS keine Chance“) inzwischen umgestiegen auf Kampagnen, die neben HIV auch andere STI adressieren (z. B. Kampagne „Liebesleben“).

Das vorliegende Schwerpunktheft der „Zeitschrift für Sexualforschung“ möchte den Faden der HIV-Debatten wieder aufnehmen, umfassend zum Thema HIV-PrEP informieren und weitere Diskussionen und Forschungsaktivitäten anregen. Da die PrEP die HIV-Prävention momentan stark verändert, verdient sie das Interesse aller in der sexualbezogenen Forschung und Praxis Tätigen. Bislang fehlen für Deutschland empirische Daten zum PrEP-Wissen in der breiten Bevölkerung sowie beim medizinischen und sexualpädagogischen Fachpersonal. Anekdotisch zeigt sich jedoch relativ klar, dass noch große Wissenslücken bestehen. Fragen Sie sich selbst: Wie ist es um Ihre PrEP-Kenntnisse bestellt, und um die Ihrer Kolleg*innen und Freund*innen? Breite PrEP-Aufklärung ist also gefragt. Darüber hinaus ist die teilweise sehr polarisierte PrEP-Debatte ein spannendes Anwendungsfeld, um im fachlichen Diskurs wieder einmal die eigenen Affekte, Vorurteile und Werthaltungen zu prüfen und zu hinterfragen: Was genau bedeuten Sicherheit, Risiko und Verantwortungsbewusstsein beim Sex? Wie sind Kosten und Nutzen sowie unterschiedliche Risiken rational gegeneinander abzuwägen – etwa erhöhte gesundheitliche Risiken gegen den Nutzen sexuellen Vergnügens oder das bei alleiniger PrEP-Einnahme ohne Kondom deutlich geminderte HIV-Risiko gegen das gleichzeitig möglicherweise erhöhte Risiko anderer STI?

Zwei Forschungsbeiträge zur PrEP

Das vorliegende Heft enthält zwei Originalarbeiten, die Ergebnisse empirischer Forschung zur PrEP präsentieren. Der erste Originalbeitrag stammt vom Robert Koch-Institut: Viviane Bremer, Uwe Koppe, Ulrich Marcus und Klaus Jansen von der Abteilung Infektionsepidemiologie liefern einen Forschungsüberblick, welcher der Frage nachgeht, was wir über die Effekte der PrEP zur HIV-Prävention und im Zusammenhang mit der Verbreitung anderer STI bislang wissen. Dazu werden aktuelle Studienergebnisse und epidemiologische Daten aus Deutschland und Nachbarländern herangezogen. In diesem Zusammenhang spielt es eine wichtige Rolle, dass die Verordnung der PrEP mit regelmäßigen HIV- und STI-Tests und sofortiger Behandlung entdeckter Infektionen einhergeht.

Der zweite Originalbeitrag stammt von der Technischen Universität Ilmenau: Nicola Döring, Roberto Walter und Kathrin Knutzen vom Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft analysieren, wie die PrEP in deutschsprachigen Medien dargestellt wird. Dazu wurden PrEP-Darstellungen in N = 150 Zeitungsartikeln und auf N = 150 Webseiten inhaltsanalytisch ausgewertet. Darüber hinaus wurden PrEP-Darstellungen in Sozialen Medien (YouTube, Facebook und Twitter) qualitativ erkundet.

Ein Kommentar zur PrEP-Leitlinie

An die Originalarbeiten schließt sich in der Rubrik „Dokumentation“ ein ausführlicher Kommentar der 2018 veröffentlichten Deutsch-Österreichischen S2k-Leitlinie zur HIV-PrEP an. Stefan Nagel, Psychoanalytiker und Chefarzt für Psychosomatik an der MEDIAN Klinik Heiligendamm, würdigt die Leitlinie als hilfreich, weist aber auch auf die Komplexität der Sachverhalte und auf jene Leitlinien-Empfehlungen hin, die keinen Konsens oder nur geringe Konsensstärke erreichten.

Die erste reguläre Überarbeitung der PrEP-Leitlinie wird im Jahr 2021 anstehen. Es wird sich zeigen, auf welche Evidenzlage die Leitliniengruppe bis dahin zugreifen kann. Kontrovers diskutiert wird bereits jetzt das richtige Maß für STI-Tests: Empfahlen die Aidshilfen bislang (mindestens) einmal pro Jahr eine HIV- und STI-Testung, so werden PrEP-Nutzende laut Leitlinie einmal pro Quartal getestet. Nicht nur die Häufigkeit der Tests steigt, auch das Spektrum der getesteten Erreger wird breiter. So wird bereits eine Integration regelmäßiger Testung auf Mycoplasma genitalium in die PrEP-Leitlinie gefordert. Dabei kann ein Zuviel an Testung und Behandlung auch Schaden anrichten, etwa weil dann seltene und schwere Behandlungsnebenwirkungen zunehmen, die in keinem Verhältnis zum erzielten Nutzen stehen. Hier besteht anhaltender Klärungsbedarf.

Fünfstimmige Debatte zu Praxiserfahrungen mit der PrEP

Im dritten Teil des Heftes geht es schließlich um Praxiserfahrungen. In einer mehrstimmigen Debatte wird die PrEP aus fünf verschiedenen Blickwinkeln betrachtet:

  • Perspektive einer PrEP-Nutzerin: Miriam, die anonym bleiben möchte, ist eine der ersten PrEP-Nutzerinnen in Deutschland. Sie führt ein aktives, selbstbestimmtes Sexualleben und greift aus guten Gründen zur PrEP, wie sie im Interview mit Holger Sweers erklärt.
  • Perspektive eines PrEP-Nutzers: Als Milan, der ebenfalls anonym bleiben möchte, mit der PrEP-Einnahme begann, war er als Single in der Schwulenszene unterwegs. Inzwischen lebt er in einer festen Partnerschaft. Warum er trotzdem weiterhin die PrEP einnimmt und wie es ihm damit geht, erzählt er im Interview mit Axel Schock.
  • Perspektive eines ehemaligen PrEP-Nutzers: Steve Spencer war einer der ersten PrEP-Nutzer in Australien und Gründungsmitglied von PAN (PrEP Access Now), einer Non-Profit-Organisation, die sich für niedrigschwelligen Zugang zur PrEP in Australien einsetzt. Trotz PrEP-Einnahme hat er sich 2018 mit HIV infiziert. Denn die PrEP bietet zwar einen sehr hohen, aber eben keinen perfekten Schutz. Wovor er jetzt Angst hat, und warum er sich immer noch für die PrEP stark macht, wird anhand seiner Pressebeiträge von Nicola Döring zusammengefasst.
  • Perspektive eines PrEP-Beraters: Arne Kayser arbeitet als Berater bei der Aidshilfe Bochum am WIR-Zentrum Bochum. Im Szene-Jargon zuweilen liebevoll-ironisch als „PrEP-Mutti von Bochum“ tituliert, hat er bislang knapp 200 PrEP-Nutzende begleitet und eine spezielle PrEP-Sprechstunde – die PrEPstunde – entwickelt, die sich großer Beliebtheit erfreut. Er kennt die vielfältigen Motive zur PrEP-Einnahme, aber auch Fallbeispiele, in denen er von der PrEP abrät.
  • Perspektive eines HIV-Behandlers: Sven Schellberg ist als Arzt in der Novopraxis tätig, einer HIV-Schwerpunktpraxis in Berlin. Er ist immer häufiger mit Patient*innen konfrontiert, die nach der PrEP fragen. Der Nutzen der PrEP ist für ihn unbestritten. Dennoch warnt er vor einer „Medikalisierung schwuler Sexualität“. Und er wünscht sich, dass offene Gespräche über sexuelles Verhalten und sexuelles Wohlbefinden, über HIV- und STI-Prävention nicht nur in HIV-Schwerpunktpraxen, sondern ganz selbstverständlich auch in anderen Arztpraxen stattfinden. Doch das scheint viel zu oft noch ein Tabu zu sein.

PrEP weiterdenken: internationaler, intersektionaler, interaktionistischer und zukunftsorientierter

Bei allem Bemühen um inhaltliche Vielfalt bleiben natürlich immer auch Lücken. Auf vier Limitationen der PrEP-Darstellungen in diesem Heft sei verwiesen:

Das vorliegende Schwerpunktheft ist primär auf die Situation der HIV-PrEP in Deutschland und vergleichbaren Ländern bezogen. Viele Punkte wären ganz anders zu diskutieren, wenn wir Länder in den Blick nehmen, die ein deutlich geringeres Bildungs- und Wohlstandsniveau, weniger Geschlechtergleichberechtigung, schlechteren Schutz vor sexueller Gewalt und dabei gleichzeitig viel höhere HIV-Prävalenzen aufweisen. Dann wäre nämlich z. B. die PrEP-Einnahme für gewaltbedrohte Mädchen und Frauen ein viel größeres Thema. Die PrEP-Debatte ist also internationaler zu denken, als sie im vorliegenden Heft erscheint.

Weiterhin ist die PrEP-Debatte auch diversitätssensibler und intersektionaler zu denken: Vielfach stehen MSM als scheinbar einheitliche Gruppe im Mittelpunkt, dabei wäre diese Gruppe noch weiter zu differenzieren (z. B. nach Alter, kulturellem und religiösem Hintergrund, sexueller Identität). Andere PrEP-Zielgruppen wie Trans*Personen, Sexarbeiter*innen, Inhaftierte und injizierende Drogengebraucher*innen mit ihren jeweiligen Untergruppen werden im vorliegenden Heft nur vereinzelt angesprochen und verlangen eine jeweils viel genauere Betrachtung. Das gilt insbesondere für injizierende Drogengebraucher*innen, bei denen das HIV-Transmissionsrisiko nicht primär sexualbezogen ist und deren Anliegen somit auch jenseits von Fragen des Safer Sex liegen, welche den PrEP-Diskurs hier und anderswo dominieren. Solche Differenzierungen sind wichtig für eine zielgruppengerechte PrEP-Versorgung, die immer auch durch entsprechende gesellschaftliche und institutionelle Bedingungen umfassender HIV-Prävention und Förderung sexueller Gesundheit unterlegt sein muss: Differenzierte Aufklärung, Entstigmatisierung, Empowerment, niedrigschwelliger (u. a. mehrsprachiger, kostenloser) Zugang zu Diagnostik, Beratung und Behandlung. Erste dezidiert diversitätssensible Vorzeige-Projekte wie z. B. Checkpoint BLN (https://checkpoint-bln.de/) existieren bereits.

Aus der HIV-Präventions-Debatte der letzten 30 Jahre haben wir unter anderem gelernt, dass es viel zu kurz greift, Übertragungsrisiken allein an Personenmerkmalen und Gruppenzugehörigkeiten festzumachen. Vielmehr sind die situativen Bedingungen einer sexuellen Begegnung und die Beziehungsdynamiken ausschlaggebend dafür, ob und wie überhaupt miteinander über STI und HIV gesprochen wird, ob und wie und durch wen Kondome, TasP, PrEP oder andere Safer-Sex-Maßnahmen ins Spiel gebracht werden. So mag Gelegenheitssex oftmals sicherer sein als Sex in Langzeitbeziehungen, weil beim Gelegenheitssex ein aktives Risikomanagement eher die Norm ist. Demgegenüber wirkt aktives Risikomanagement in Liebeskontexten oftmals so unromantisch und bedrohlich (weil sexuelle Vor- und Außenkontakte zum Thema werden), dass reale Risiken eher verdrängt werden. Der Umgang mit PrEP ist also auch deutlich situationsspezifischer und interaktionistischer zu denken, als es hier dargestellt wird. Das betrifft die Langzeiteinnahme sowie die anlassbezogene Anwendung der PrEP in risikoreichen Situationen und Lebensphasen, den sogenannten Seasons of Risk. Über die Voraussetzungen und Merkmale guter PrEP-Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal sowie mit Sex- und Beziehungspartner*innen wissen wir noch zu wenig.

Weitgehend vernachlässigt werden im vorliegenden Heft zudem zukünftige Entwicklungen: Die orale HIV-PrEP mag nur die Vorbotin sein: Gleitgels, Klistiere, Vaginalringe, Dreimonatsspritzen, Implantate usw. zur PrEP werden bereits erprobt und könnten in näherer Zukunft zugelassen werden. Zukunftsbezogen muss man sich auch fragen, wie PrEP-Aufklärung und PrEP-Versorgung zu verbessern sind: Sollte die PrEP in ihren verschiedenen Varianten nicht in Zukunft selbstverständlicher Bestandteil der Sexualaufklärung für alle sein?

Es bleibt also viel Bedarf an weiterer Forschung. Deswegen laden wir Sie herzlich ein, PrEP-bezogene Originalarbeiten, Kommentare und Praxisbeiträge für die kommenden Ausgaben der „Zeitschrift für Sexualforschung“ einzureichen. Zunächst aber hoffen wir, Ihnen mit dem vorliegenden Schwerpunktheft zur HIV-PrEP inspirierenden Lesegenuss zu bieten.

Nicola Döring (Ilmenau)

Beitragsbild: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) via Flickr
Reaktion der DGfS auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Reaktion der DGfS auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Am 8. Dezember 2019 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) unter der Überschrift „Einmal Mann sein, bitte“ ein Artikel der Redakteurin Kathrin Hummel (erneut erschienen in der Online-Ausgabe der FAS unter der Überschrift „Einmal Mann sein – und wieder zurück“).

Der Vorstand der DGfS empfand diesen Artikel nicht nur übermäßig polarisierend, sondern auch stellenweise fachlich falsch recherchiert und insgesamt für den Abbau von Diskriminierung in unserer Gesellschaft eher hinderlich als förderlich.

Artikel in der Online-Ausgabe der FAS auf faz.net

Schon im Beginn der Artikel heißt es

„Die Zahl der jungen Frauen, die sich für transgender halten, explodiert. Nie zuvor war es für sie so einfach, Testosteron zu schlucken oder sich die Brüste abnehmen zu lassen. Mit zum Teil fatalen Folgen.“

und weiter

„Tatsächlich ist es zurzeit in gewissen jugendlichen Milieus cool, trans zu sein. Die Folgen einer Geschlechtsangleichung – lebenslange Hormoneinnahme, Operationen an gesunden Genitalien, Kinderlosigkeit – blenden die Jugendlichen meist aus.“

Wir haben der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung daher am 6. Januar als Reaktion auf diesen Artikel einen Brief geschrieben. Leider blieb er bislang unbeantwortet. Übrigens: Der Frage „Wer oder was bestimmt das Geschlecht?“ widmete sich die Zeitschrift für Sexualforschung erst kürzlich in einem Schwerpunkt-Debattenheft (Heft 3/2019).

 

6. Januar 2020

An die

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

 

Reaktion der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung auf Ihren Artikel „Einmal Mann sein bitte“ von Katrin Hummel

Der Vorstand der DGfS hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 6. Januar als Reaktion auf diesen Artikel einen Brief geschrieben.

Als älteste medizinische, therapeutische und wissenschaftliche Gesellschaft für Sexualforschung in Deutschland, die für die AWMF S3-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: Diagnostik, Beratung, Behandlung“ die Federführung übernommen hat, reagieren wir auf Ihren Artikel in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 08.12.2019.

Wir möchten zunächst korrigieren, dass die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS), entgegen Ihrer Behauptung sehr wohl auch eine medizinische Fachgesellschaft ist. Schon mit Gründung der Gesellschaft 1950 im Klinikum der Universität Frankfurt am Main durch den Mediziner Hans Giese wurde der Grundstein für die medizinisch-wissenschaftliche Ausrichtung unserer Fachgesellschaft gelegt. Seit fast zwanzig Jahren ist die DGfS Mitglied der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften). Dass nur medizinische Fachgesellschaften in diesem Arbeitskreis tätig sein können, versteht sich von selbst.

Das Thema „Transgender“ ist seit den Anfängen der DGfS bis heute ein zentrales Thema unserer Fachgesellschaft. Schon im Juni 1974 wurde eine „medizinisch-rechtliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung zum Transsexualismus“ an den damaligen Bundesminister der Justiz der BRD geschrieben und veröffentlicht. Seitdem gab es viele kritische und kontrovers geführte Diskussionen zu dieser Thematik, die zu unserer heutigen Haltung geführt haben. Die S3-Leitlinie baut auf dieses Wissen auf und wurde gemeinsam mit 13 anderen medizinischen Fachgesellschaften in den Jahren 2011 bis 2018 entwickelt. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW) hat sich als einzige Fachgesellschaft erst kurz nach Verabschiedung der Leitlinie, also am Ende dieses jahrelangen Prozesses, dagegen entschieden, diese Leitlinie zu unterstützen. Die DGfS und 12 weitere medizinische Fachgesellschaften stehen weiterhin hinter den Inhalten der Leitlinie und haben auf die Stellungnahme der DGSMTW reagiert. Diese Stellungnahme ist für alle Interessierte auf der Website der AWMF nachzulesen.

Ihre Darstellung der Behandlung von Menschen mit Geschlechtsinkongruenz, die wir als polarisierend lesen, ist fachlich nicht gründlich recherchiert: Zunächst vermischen Sie die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit der von Erwachsenen. Aus gutem Grund wird diese in Fachkreisen getrennt betrachtet und so wird es bald eine eigene Leitlinie für Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz geben. Viele Ihrer Argumente, die sich auf die angeführte Leitlinie beziehen, sind damit nicht korrekt.

Sie schreiben, es sei in gewissen Kreisen junger Menschen „cool“ geworden, trans* zu sein und suggerieren, dass all diese Menschen Hormone nehmen und sich operieren lassen wollen. Aus der klinischen Erfahrung mit Menschen, die viel darum gäben, nicht diskriminiert zu werden, nicht lebenslang Medikamente nehmen, sich Begutachtungen und Operationen unterziehen zu müssen, ist das nicht nachvollziehbar. Überdurchschnittlich oft stecken hinter der Aussage, trans zu sein, nicht nur der Wunsch „cool“ zu sein, sondern innerpsychische Konflikte, die mit einem Leidensdruck verbunden sind und für die ein Ausweg gesucht wird. Welcher Weg der richtige ist, ist gerade für junge Menschen besonders wichtig und teilweise besonders schwer zu entscheiden. Dabei bleibt es oberste Prämisse, keinen Schaden anzurichten und die Jugendlichen entsprechend ihrer individuellen Geschlechtsidentität zu fördern. Dies ist meist mit schwierigen Entscheidungen verbunden. Denn: Auch das Abwarten einer Behandlung und die damit verbundenen unwiderruflichen Veränderungen der Pubertät können Schaden anrichten.

Es gibt keine Klarheit darüber, warum die Zahlen von Menschen mit Geschlechtsinkongruenz, die sich in den entsprechenden Spezialambulanzen vorstellen, steigen. Wissenschaftler_innen können aktuell lediglich mutmaßen. Ein Teil der Wahrheit ist, dass wir als Gesellschaft und als Behandler_innen toleranter geworden sind und trans Menschen leichter eine Anlaufstelle im medizinischen System und in Peergroups finden. Aber das erklärt den Anstieg nicht allein. Wie so vieles ist auch eine Geschlechtsinkongruenz ein bio-psycho-soziales Geschehen, das einem kulturellen Wandel unterworfen ist. In diesem Zusammenhang aber von „cool“ zu sprechen, hilft weder Menschen mit Geschlechtsinkongruenz, noch hat es in der Vergangenheit bei anderen Konstrukten wie Essstörungen oder bestimmten Persönlichkeitsstörung (z.B. Borderline-Störung) geholfen. Auch bei diesen waren starke Zunahmen von Behandlungssuchenden zu beobachten, nachdem das Krankheitsbild Anerkennung erfahren hatte.

Das gehäufte Auftreten psychischer Erkrankungen bei Menschen mit Geschlechtsinkongruenz ist in vielen Studien belegt worden. Falsch ist es aber, zu dem Schluss zu kommen, dass beim Vorliegen einer zusätzlichen psychischen Erkrankung diese erst psychotherapeutisch „geheilt“ werden müsse, bevor man unterstützend behandeln darf. Richtig ist, dass natürlich auch zusätzlich vorliegende psychische Erkrankungen ebenso wie somatische Erkrankungen adäquat behandelt werden sollen. Die Einschätzung, ob eine psychische Krankheit durch die Geschlechtsinkongruenz bedingt ist, Folge von Diskriminierung, Schamerleben und anderen psychischen Stressoren ist oder sogar eine Geschlechtsinkongruenz begünstigt oder mitausgelöst haben könnte, bedarf viel psychotherapeutischer Erfahrung und ist manchmal selbst trotz dieser Erfahrung sehr schwierig. Es ist dann die Herausforderung für die Sexualtherapeut_innen, eine Entscheidung individuell und im Sinne der Patient_innen in einem partizipativen therapeutischen Diskurs zu erarbeiten. Häufig gehen Symptome wie Suizidgedanken, hohe Anspannungszustände, Selbstverletzungen und die Ablehnung des eigenen Körpers durch eine erfolgreiche Transition zurück.

Es dauert in der Regel circa ein Jahr, bis eine Hormontherapie indiziert wird, auch wenn sich die Patient_innen häufig ein schnelleres Vorgehen wünschen. Aber um zu wissen, was unnötig ist, muss man im Gespräch mit Patient_innen herausfinden, „was los“ und überhaupt nötig ist. Bei weitem nicht jeder Mensch mit Geschlechtsinkongruenz braucht eine somatische Behandlung. Nicht jeder Mensch, der hormonell behandelt wird, wünscht im Anschluss eine chirurgische Maßnahme. Wichtig ist es aber, die Freiheit zu haben, individuell entscheiden zu können. Der Wegfall des sogenannten „Alltagstests“, auf den Sie auch eingehen, ist zum Beispiel eine wichtige Errungenschaft. Für viele Menschen war dieser nicht nur quälend, sondern je nach sozialem Umfeld sogar gesundheitsgefährdend, denn auch gewaltsame Übergriffe gegen Menschen mit Geschlechtsinkongruenz kommen leider immer wieder vor. Im Rahmen dieser früher üblichen „Alltagstests“ wurde nicht selten verlangt, genderstereotyp weiblich oder männlich aufzutreten, bevor eine körperangleichende Behandlung indiziert und durchgeführt wurde. Aber wer sagt denn, dass eine Frau lange Haare, hohe Schuhe und Make-up tragen muss? Wer, dass ein Mann Hosen und Pullover tragen muss? Wir möchten die Praxis des „Beweisen Sie es mir doch erstmal!“ überwinden hin zu einem „Lassen sie uns gemeinsam untersuchen, ob dieser Weg nachhaltig und wirklich der richtige für Sie ist.“ Dafür brauchen wir das Vertrauen unserer Patient_innen und sie brauchen unser Vertrauen.

Die DGfS möchte einem offenen und akzeptierenden Umgang und der Möglichkeit, auch jenseits von geschlechtlicher Binarität zu denken, den Weg ebnen. Dies bedeutet, im individuellen Falle eine Transition zu ermöglichen, auch wenn dies Angst und Unbehagen auslösen kann. Diese Angst sollten wir verstehen, aber nicht schüren.

Melden Sie sich doch gerne bei weiteren Veröffentlichungen zum Thema oder zu unserer Fachgesellschaft im Vorfeld bei uns. Wir unterstützen und kommentieren sehr gerne.

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand der

Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung

26. Wissenschaftliche Tagung der DGfS

26. Wissenschaftliche Tagung der DGfS

Vom 27. – 29. September 2019 fand in Hamburg die 26. Wissenschaftliche Tagung der DGfS unter dem Titel „Sexualität – Macht – Moral“ statt. Einen Rückblick auf das Tagungsprogramm finden Sie hier.

Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung: Perspektiven der Sexualforschung

Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung: Perspektiven der Sexualforschung

Zum Jubiläum des Instituts für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf setzen sich ehemalige und aktuelle Institutsmitglieder mit sexualwissenschaftlichen Forschungsfeldern und sexualpolitischen Kontroversen auseinander. In autobiografischen Berichten zeigen die renommierten Autorinnen und Autoren Verbindungen zwischen ihren individuellen Lebensläufen und Forschungswegen auf. Beiträge zu gegenwärtigen und zukünftigen Fragen des Feminismus, der Kriminalprognostik und der Sexualpädagogik runden diesen breiten Einblick in die Sexualforschung ab.

Mit Beiträgen von Inga Becker, Nikolaus Becker, Wolfgang Berner, Maika Boehm, Peer Briken, Sabine Cassel-Bähr, Ulrich Clement, Martin Dannecker, Arne Dekker, Annika Flöter, Fritjof von Franqué, Johannes Fuß, Hans Giese, Margret Hauch, Andreas Hill, Judith Iffland, Reinhardt Kleber, Verena Klein, Thula Koops, Ute Lampalzer, Moritz Liebeknecht, Hannah Lietz, Silja Matthiesen, Timo Nieder, Will Preuss, Martin Rettenberger, Hertha Richter-Appelt, Gunter Schmidt, Eberhard Schorsch, Katinka Schweizer, Volkmar Sigusch, Andreas Spengler, Bernhard Strauß, Elisabeth Stück, Safiye Tozdan, Daniel Turner und Dalnym Yoon

Unter dem Titel „Perspektiven der Sexualforschung“, herausgegeben von Peer Briken, ist Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung erschienen. (Zur Website des Psychosozial-Verlags)

Zeitschrift für Sexualforschung in neuem Gewand

Zeitschrift für Sexualforschung in neuem Gewand

Mit Heft 1/2019 erscheint die Zeitschrift für Sexualforschung in einem neuen Design. Bisher wurde sie im rot-weißen Layout publiziert, das noch aus der Zeit ihres Erscheinens im Ferdinand Enke Verlag übernommen wurde. Mit der ersten Ausgabe dieses Jahres erhält nun auch die Zeitschrift für Sexualforschung das einheitliche weiß-blaue Layout des Georg Thieme Verlags. Die Herausgebenden schreiben dazu im Editorial des aktuellen Hefts:

„Seit 1988 gibt es die ‚Zeitschrift für Sexualforschung‘ (ZfS). Sie erscheint seit 1999 im Georg Thieme Verlag, in den frühen Jahren wurde sie im Ferdinand Enke Verlag verlegt. Es war die ursprüngliche Intention der Herausgebenden, mit der neuen Zeitschrift an eine deutschsprachige sexualwissenschaftliche Tradition anzuschließen, die 1933 von den Nationalsozialisten gewaltsam unterbrochen worden war. Sie sollte eine Plattform für gesellschaftswissenschaftliche, klinische und sexualpolitische Beiträge mit einer emanzipatorischen Ausrichtung werden (zeitweise war der Titel ‚Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik‘ im Gespräch). Das rot-weiße Layout und das handliche Format stammen aus dieser Zeit und stehen für den politischen Anspruch, die Interdisziplinarität mit der Verbindung zu den Kultur- und Sozialwissenschaften und die Idee der Lesefreundlichkeit.

Nun haben sich die Herausgebenden und der Thieme Verlag für ein neues Format entschieden, und das gilt es zunächst einmal auszuhalten – uns geht es da nicht anders. Aber das neue Gewand ist auch ein Ausdruck davon, dass die Zeitschrift sich entwickelt: Tempora mutantur et nos mutamur in illis – die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. Durch das neue Layout halten wir Schritt mit internationalen Wissenschaftsstandards und betonen die Nähe zur Medizin und die Zugehörigkeit zu einem der renommiertesten und international bedeutendsten Medizinverlage, den man durch sein traditionell blau-weißes Gewand schon von weitem erkennen kann.

Die Medizin als Ort einer sich interdisziplinär und kritisch verstehenden Sexualwissenschaft ist problematisch – aber das ist durch ein Gewand auch nicht zu ändern oder gar zu verdecken. Kritiker_innen eines klinischen Mainstreams und Vertreter_innen der kritischen Sexualwissenschaft, wie die Gründer der Zeitschrift, kamen aus den medizinischen Fakultäten. Die Fachgesellschaft, deren Organ die Zeitschrift ist, ist (allerdings sicher nicht ausschließlich) auch eine medizinische Fachgesellschaft. Viele Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) sind therapeutisch oder klinisch tätig, interessieren sich für klinisch-sexualwissenschaftliche Themen, lassen sich durch Praxisbeiträge bereichern, aber auch durch Themen jenseits von Therapie und Medizin gerne irritieren oder informieren.“

Lesen Sie das komplette Editorial in Heft 1/2019 oder (mit entsprechender Lizenz) hier online.