Publikationen

Heft 1/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 1/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende März 2020 ist Heft 1/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Jonathan Czollek & Christoph Muck: Prävention sexualisierter Gewalt – Evaluation eines universitären Seminars für angehende Lehrkräfte

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Angesichts hoher Prävalenzen und schwerwiegender Konsequenzen von sexualisierter Gewalt sind evidenzbasierte Präventionsansätze notwendig. Eine Variante stellen hierbei universitäre Seminare für angehende Lehrkräfte dar, da diese als potentielle Multiplikator_innen verschiedene präventive Schutzfunktionen einnehmen können. Forschungsziele: Da empirische Wirksamkeitsbelege hier jedoch weitgehend fehlen, war das Ziel dieser Studie die Evaluation eines universitären Seminares zur Prävention sexualisierter Gewalt. Dazu wurden aus der Bystander- und der Selbstwirksamkeitsforschung verschiedene Wirksamkeitskriterien abgeleitet: Vorurteile, Rollenambiguität, Selbstwirksamkeitserwartung, Klarheit der Grenzeinschätzung und sorgenvolle Emotionen. Methoden: Im Rahmen eines quasi-experimentellen Designs wurden einer Interventionsgruppe, die am Seminar teilnahm (N = 22; MAlter = 22.5, SD = 3.14), und einer Kontrollgruppe (N = 17; MAlter = 24.29, SD = 2.37) Fragebögen vorgelegt. Ergebnisse: Die Interventionsgruppe zeigte nach der Teilnahme signifikant weniger Vorurteile (d = -.74) und höhere Selbstwirksamkeitserwartung (d = .89). Es fanden sich Hinweise darauf, dass das Seminar die Rollenambiguität senkt (η2 = .57) und die Klarheit der Grenzeinschätzung steigert (d = 1.07). In Bezug auf die sorgenvollen Emotionen wurden keine Effekte gefunden.

  • Sabrina Eberhaut, Peer Briken & Reinhard Eher: Die Bedeutung kognitiver Verzerrungen für die Diagnose einer pädosexuellen Präferenzstörung bei inhaftierten Tätern mit Sexualdelikten in Österreich

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Unter kindesmissbrauchsspezifischen kognitiv verzerrten Sichtweisen versteht man pathologische Wahrnehmungsverzerrungen, die es einem Täter ermöglichen, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu bahnen und nach den Tathandlungen zu rechtfertigen. Zu diesen Verzerrungen zählen unter anderem die Annahmen, dass Kinder Sex mit Erwachsenen wünschen oder dass sexuelle Handlungen von Erwachsenen an Kindern diesen keinen Schaden zufügen. Forschungsziele: Zusammenhänge zwischen solchen Verzerrungen und dem Störungsbild einer Pädophilie wurden untersucht. Insbesondere verfolgten wir dabei die Hypothese, dass kognitive Verzerrungen Ausdruck eines klinischen Störungsbildes sind und nicht lediglich mit dem Umstand einhergehen, ein Kind sexuell zu missbrauchen. Methoden: Dafür wurde ein Fragebogen entwickelt, der N = 632 Tätern (davon N = 462 an Kindern) vorgelegt wurde, die in Österreich ein Sexualdelikt begangen hatten und deshalb eine Haftstrafe verbüßten. Die Täter wurden jeweils einer von insgesamt vier Gruppen zugeordnet (Sexualstraftäter mit erwachsenen Opfern, Kindesmissbrauchstäter ohne Diagnose einer Pädophilie, Kindesmissbrauchstäter mit nicht-ausschließlicher Pädophilie, Kindesmissbrauchstäter mit ausschließlicher Pädophilie). Die Ergebnisse wurden einer Faktorenanalyse unterzogen, die einzelnen Faktoren und der Gesamtwert auf Unterschiede zwischen den Tätergruppen überprüft. Ergebnisse: Die vorliegenden Daten legen den Schluss nahe, dass nicht der Umstand allein, ein Kind sexuell zu missbrauchen, mit solchen Verzerrungen einhergeht, sondern vielmehr die Diagnose einer pädophilen Störung. Insbesondere Personen mit der Diagnose einer ausschließlichen pädophilen Störung gaben derartige Kindesmissbrauchsmythen an. Vor allem Glaubenssätze, die aus psychodynamischer Sicht als Spaltung, Projektion und projektive Identifizierung der eigenen Devianz auf Kinder verstanden werden können, waren bei gegebener Diagnose einer exklusiven pädophilen Störung am stärksten ausgeprägt. Schlussfolgerung: Wahrnehmungsverzerrungen können als Abwehrmechanismen einer pädophilen Störung verstanden werden, die auch zur Untermauerung der Diagnose dienen können.

Debatte

Bericht

Bericht

Nachruf

Heft 3/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 3/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende September 2019 ist Heft 3/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Bei dem Heft handelt es sich um ein Debatten-Schwerpunktheft zur Frage „Wer oder was bestimmt das Geschlecht?“. Aus dem Editorial von Peer Briken:

„Das Thema Geschlecht beschäftigt uns in der Sexualforschung und in der Sexualmedizin auf vielfältige Weisen: In der Sex-Survey-Forschung gab es lange Zeit nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich – wie in fast allen großen Bevölkerungsstichproben. Aber im Jahr 2019 können wir geschlechtliche Minderheiten in der Sex-Survey-Forschung nicht mehr einfach diskriminieren – indem wir sie unsichtbar machen – und wollen andere Wege für die Erfassung der geschlechtlichen Vielfalt gehen. In der Patient_innenversorgung sind trans Personen inzwischen eine große Gruppe, die in unterschiedlichen Kontexten beraten wird oder medizinische bzw. psychotherapeutische Unterstützung erhält. Hier entwickeln sich neue Standards (vor Kurzem wurden neue Leitlinien veröffentlicht), neue Wege der Versorgung (z. B. in Form von internetbasierter Gesundheitsversorgung), es werden aber auch viele schwierige Kontroversen ausgetragen, wie bspw. die Frage nach pubertätsunterdrückenden Hormonbehandlungen bei Jugendlichen. Angesichts der Einführung einer weiteren positiven Geschlechtskategorie im deutschen Recht im Dezember 2018 und den gesellschaftlichen Kontroversen zu Varianten der Geschlechtsentwicklung bzw. Intergeschlechtlichkeit können sich auch diejenigen Institutionen, die auf der Norm der Zweigeschlechtlichkeit bestehen wollen, nicht mehr einfach aus der Debatte zurückziehen. Daher haben wir beschlossen, das Thema in der „Zeitschrift für Sexualforschung“ aufzugreifen und ihm ein eigenes Schwerpunktheft zu widmen.

Geboren wurde die Idee im Zug: Vor einiger Zeit fuhr ich mit Jorge Ponseti und Aglaja Stirn mehrere Stunden gemeinsam von einem Forschungstreffen nach Hause. Zunächst sprachen wir über die Behandlung von Transgender-Jugendlichen – vor allem über die genannte Kontroverse um pubertätsunterdrückende Hormonbehandlungen –, bis wir auf das breite Thema Geschlecht kamen. Jorge Ponseti entwickelte dabei seine Gedanken und es zeigten sich sofort sehr unterschiedliche Standpunkte, die in eine interessante Diskussion zwischen uns dreien mündeten. Dies veranlasste mich, Ponseti und Stirn zu bitten, ihre Position schriftlich auszuarbeiten und als Aufschlag für eine breit geführte Debatte in der „Zeitschrift für Sexualforschung“ zur Verfügung zu stellen. Beide entwarfen einen umfangreichen Text und erklärten sich freundlicherweise einverstanden, dass wir diesen durch ausgewählte Kolleg_innen kommentieren lassen.

So können wir in diesem Heft nun eine spannende und hochkontroverse Debatte führen.“

Inhalt:

Debatte

  • Jorge Ponseti & Aglaja Stirn: Wie viele Geschlechter gibt es und kann man sie wechseln?

    Zusammenfassung:

    Die Aufteilung des Menschen in zwei Geschlechter wurde in jüngerer Vergangenheit kritisiert, da es keine genaue Grenze zwischen beiden Geschlechtern gebe und weil die Vorstellung von der Existenz zweier Geschlechter selbst das Ergebnis eines sozialen Konstruktionsprozesses sei. Daher sei Geschlecht etwas, was eine Person nur für sich bestimmen könne, folglich Transsexualität/Geschlechtsdysphorie keine psychische Störung und die Ansprüche der Betroffenen nach selbstbestimmter Wahl geschlechtsangleichender Maßnahmen legitim. In der vorliegenden Arbeit wird die klassische Auffassung der Zweigeschlechtlichkeit durch die Fortpflanzungsfunktion begründet. Die Unterschiedlichkeit von Samen- und Eizelle (Anisogamie) hat weitreichende Konsequenzen für die Lebenswirklichkeit des Menschen und begründet geschlechtstypische Verhaltensneigungen und Geschlechtsrollen. Der aktuelle Begriff Geschlechtsidentität wird kritisiert und einem anderen Identitätskonzept, das therapeutische Anknüpfungspunkte bietet, gegenübergestellt. Ferner wird erläutert, wie sich die Kritik am klassischen Geschlechtsbegriff nachteilig für die Sexualwissenschaft sowie auch für die Therapie geschlechtsdysphorischer Menschen auswirkt. Die Annahme, dass eine Psychotherapie der Geschlechtsdysphorie unethisch ist, wird diskutiert und den Ergebnissen neuerer Katamnesestudien gegenübergestellt. Unter Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Studien werden Vorschläge für eine neue psychotherapeutische Strategie gemacht.

  • Robin Bauer: Biologie als Schicksal? Kommentar zu „Wie viele Geschlechter gibt es und kann man sie wechseln?“ aus wissenschafts- und gesellschaftstheoretischer Perspektive

    Zusammenfassung:

    Der Kommentar analysiert im ersten Teil das Wissenschaftsverständnis, das dem Beitrag von Ponseti und Stirn zugrunde liegt. Es wird entgegen dem Paradigma einer wertneutralen Wissenschaft argumentiert, dass die Erzeugung wissenschaftlichen Wissens im sozio-historischen und politischen Kontext gesehen werden muss, und dargelegt, inwiefern der Beitrag von Ponseti und Stirn auch eine politische Intervention darstellt. Der dem Artikel inhärente biologische Determinismus wird problematisiert. Im zweiten Teil wird argumentiert, dass Trans*Identitäten nur im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen sind, vor allem in Bezug auf die wirkmächtige Norm der Zweigeschlechtlichkeit sowie die institutionellen Rahmenbedingungen eines Transitionsprozesses. Die Vielfalt der Strategien von Trans*Personen im Umgang mit ihren nicht normkonformen Selbstbildern wird Ponseti und Stirns Engführung aus der Begutachtungspraxis entgegengestellt.

  • Heinz-Jürgen Voß: Kommentar zu „Wie viele Geschlechter gibt es und kann man sie wechseln?“ aus biologischer Perspektive

    Zusammenfassung:

    Als promovierter Biologe gibt der Autor von „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ (2010) einen Überblick über die biologische Forschung zu Geschlecht. Unhinterfragte Zweigeschlechtlichkeit wird als Gender-Ideologie dargelegt, indem eine differenzierte biologische Sichtweise auf Geschlecht aufgezeigt wird. Auch wird argumentiert, dass die Fortpflanzungsfähigkeit des Genitaltrakts nicht lebensnotwendig ist, sodass Varianz hier ebenso möglich ist wie bei sexuellen Lebensweisen.

  • Paula-Irene Villa: Geschlecht: Die Magie der Anisogamie. Ein Kommentar zu Ponseti und Stirn

    Zusammenfassung:

    Der Beitrag setzt sich mit den Argumenten und Studien auseinander, die Ponseti und Stirn aufbringen. Ihnen wird ein biologischer Reduktionismus bescheinigt, der paradoxerweise das Unbehagen an der identitäts-subjektiven Engführung von Geschlecht durch eine spiegelbildliche Engführung von Geschlecht auf Anisogamie wiederholt. Als bessere Alternative wird ein biosoziales Verständnis von Geschlecht skizziert, das der empirischen Komplexität von Geschlechtlichkeit sowie dessen (Un-)verfügbarkeit besser gerecht wird.

  • Bernhard Strauß und Timo O. Nieder: Schwierigkeiten bei der Interpretation von Längsschnittstudien bei Menschen mit Geschlechtsinkongruenz oder Geschlechtsdysphorie: Ein Kommentar zu Ponseti und Stirn (2019)

    Zusammenfassung:

    Der Kommentar nimmt Bezug auf die von Ponseti und Stirn formulierte Kritik an der S3-Leitlinie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung bei Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit. Dabei problematisieren wir zunächst die begriffliche Gleichsetzung von Transsexualismus auf der einen mit Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie auf der anderen Seite. Im Anschluss diskutieren wir die unzulässigen Schlüsse, die Ponseti und Stirn aus den Befunden einzelner Katamnesestudien ziehen und argumentieren, dass die genannten Befunde keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Behandlung des Transsexualismus zulassen, sondern ausschließlich die Gesundheit von trans Personen nach multimodaler geschlechtsangleichender Behandlung beschreiben. Schließlich stellen wir die Überlegungen infrage, die die Autor_innen zur Psychotherapie des Transsexualismus in ihrem Beitrag äußern.

Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung: Perspektiven der Sexualforschung

Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung: Perspektiven der Sexualforschung

Zum Jubiläum des Instituts für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf setzen sich ehemalige und aktuelle Institutsmitglieder mit sexualwissenschaftlichen Forschungsfeldern und sexualpolitischen Kontroversen auseinander. In autobiografischen Berichten zeigen die renommierten Autorinnen und Autoren Verbindungen zwischen ihren individuellen Lebensläufen und Forschungswegen auf. Beiträge zu gegenwärtigen und zukünftigen Fragen des Feminismus, der Kriminalprognostik und der Sexualpädagogik runden diesen breiten Einblick in die Sexualforschung ab.

Mit Beiträgen von Inga Becker, Nikolaus Becker, Wolfgang Berner, Maika Boehm, Peer Briken, Sabine Cassel-Bähr, Ulrich Clement, Martin Dannecker, Arne Dekker, Annika Flöter, Fritjof von Franqué, Johannes Fuß, Hans Giese, Margret Hauch, Andreas Hill, Judith Iffland, Reinhardt Kleber, Verena Klein, Thula Koops, Ute Lampalzer, Moritz Liebeknecht, Hannah Lietz, Silja Matthiesen, Timo Nieder, Will Preuss, Martin Rettenberger, Hertha Richter-Appelt, Gunter Schmidt, Eberhard Schorsch, Katinka Schweizer, Volkmar Sigusch, Andreas Spengler, Bernhard Strauß, Elisabeth Stück, Safiye Tozdan, Daniel Turner und Dalnym Yoon

Unter dem Titel „Perspektiven der Sexualforschung“, herausgegeben von Peer Briken, ist Band 108 der Beiträge zur Sexualforschung erschienen. (Zur Website des Psychosozial-Verlags)

Heft 2/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 2/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende Juni 2019 ist Heft 2/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Timo O. Nieder und Bernhard Strauß: S3-Leitlinie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung im Kontext von Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Am 9. Oktober 2018 wurde die Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: Diagnostik, Beratung und Behandlung“ nach methodischer Prüfung von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mit S3-Status in das Leitlinienregister aufgenommen und online veröffentlicht. Forschungsziele: Die Leitlinie verfolgt das Ziel, die „Standards zur Begutachtung und Behandlung von Transsexuellen“ aus dem Jahr 1997 an die gegenwärtigen Bedingungen und Forschungsergebnisse anzupassen und sie für eine adäquate Versorgung in Deutschland nutzbar zu machen. Methoden: Die Behandlungsempfehlungen der Leitlinie basieren auf empirischer Evidenz, die systematisch recherchiert und bewertet wurde. Die für den Kreis der Adressat_innen repräsentative Leitliniengruppe hat gemeinsam mit einer Interessensvertretung von trans Menschen im Zuge einer strukturierten Konsensfindung 100 Empfehlungen konsentiert. Ergebnisse: Die Leitlinie soll das Feld der Trans-Gesundheitsversorgung individualisieren und damit auch deregulieren. Optionen für eine zielführende Behandlung der Geschlechtsinkongruenz und/oder Geschlechtsdysphorie werden aufgezeigt. Anschließend wird ein empirisch und klinisch fundiertes Vorgehen empfohlen, das auf individuelle Bedingungen bei der Behandlung bedarfsgerecht eingehen kann. Schlussfolgerung: Die Leitlinie reflektiert aktuelle internationale Standards der Trans-Gesundheitsversorgung auf Basis empirischer Evidenz und bezieht sie auf das deutsche Gesundheitssystem. Ihre Anwendung sollte mit klinisch-therapeutischer Expertise abgesichert werden.

  • Lena Hauck, Hertha Richter-Appelt und Katinka Schweizer: Zum Problem der Häufigkeitsbestimmung von Intergeschlechtlichkeit und Varianten der Geschlechtsentwicklung: Eine Übersichtsarbeit

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Körperliche Geschlechtsentwicklungen, die auf chromosomaler, gonadaler und/oder anatomischer Ebene untypisch verlaufen, werden als Intergeschlechtlichkeit, Varianten der Geschlechtsentwicklung, Intersex, Intersexualität, Variationen der körpergeschlechtlichen Merkmale und Störungen der Geschlechtsentwicklung bezeichnet. Sie sind alternative Oberbegriffe für eine Reihe verschiedener Besonderheiten der somatosexuellen Entwicklung, für die in der Literatur unterschiedliche Angaben über deren Häufigkeiten kursieren. Forschungsziele: Der Beitrag präsentiert eine Übersicht über aktuelle Angaben zur Häufigkeit und identifiziert Faktoren, welche die Festlegung einer Zahl zur Inzidenz bzw. Prävalenz von Varianten der Geschlechtsentwicklung erschweren. Methoden: Es wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken Medline, Web of Science und PsycINFO durchgeführt. Dabei wurden englisch- und deutschsprachige Studien von 2000 bis 2017 erfasst, die sich mit der Inzidenz von Varianten der körpergeschlechtlichen Entwicklung beschäftigen. Aus den Ergebnissen wurden relevante Treffer ausgewählt, anhand derer aktuelle Zahlen zur Häufigkeit, unterschiedliche Methoden der Häufigkeitserhebung sowie Probleme bei der Ermittlung der Zahlen herausgearbeitet wurden. Ergebnisse: Die analysierten Studien geben Zahlen zwischen 0.018 % und 2.1 % bzw. 3.8 % aller Geburten als Gesamthäufigkeit von Varianten der Geschlechtsentwicklung bzw. des urogenitalen Systems an. Diese hängen stark von der Definition und den eingeschlossenen Formen ab. Die Seltenheit einiger Formen und die kritikwürdigen Untersuchungsmethoden erschweren die Erhebung belastbarer Ergebnisse. Schlussfolgerung: In der Forschung zur Intergeschlechtlichkeit sollte eine transparente, respektvolle und präzise Sprache als Grundlage für einen konstruktiven Diskurs über geschlechtliche Vielfalt eingesetzt werden, auch um Kooperationsprojekte zu stärken. Die angenommene Dunkelziffer der nicht erfassten oder diagnostizierten Fälle sollte nicht unterschätzt werden.

  • Claudia Depauli und Wolfgang Plaute: Sexualpädagogik in der Sekundarstufe I in Österreich

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Das WHO-Regionalbüro für Europa und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben 2010 Standards für Sexualerziehung in Europa veröffentlicht, um einen Überblick über die Themen der Sexualerziehung zu geben, die in der Schule angepasst an verschiedene Altersstufen behandelt werden sollten. Sie sollen gewährleisten, dass Sexualkundeunterricht in Europa entwicklungsangemessen und von einheitlich guter Qualität ist. Forschungsziele: Österreichische Eltern bzw. Erziehungsberechtigte und Schüler*innen wurden nach der Bedeutung der von den WHO-Standards abgedeckten Themen befragt sowie nach Aspekten, die sie sich für eine erfolgreiche Sexualerziehung wünschen. Methoden: Es wurden standardisierte Online-Fragebögen entwickelt, die durch die Direktor*innen der Schulen den Eltern und Schüler*innen zugänglich gemacht wurden. Es wurden insgesamt 9 196 Teilnehmende befragt, davon in der hier dargestellten Altersgruppe der 13- bis 15-jährigen Schüler*innen 2 204 Personen. Es handelte sich um 1 571 Jugendliche (weiblich: 742, männlich: 820), und 633 Eltern (weiblich: 523, männlich: 110). Die Teilnehmer*innen bewerteten die Wichtigkeit der Themen anhand von 5-stufigen Likert Skalen. Ergebnisse: Die Eltern der 13- bis 15-jährigen Schüler*innen beurteilen sexualpädagogische Inhalte insgesamt als wichtig, wobei für Mütter die Relevanz höher ist als für Väter. Eltern wünschen sich gut ausgebildete Lehrkräfte. Besonders wichtig sind ihnen Informationen zu biologischen Grundlagen und Hygiene sowie die Rechte und der Schutz der Kinder und Jugendlichen. Am Beispiel Homosexualität zeigt sich, dass es auch Inhalte gibt, deren Behandlung besonders für Väter nur wenig Wichtigkeit besitzen. Schlussfolgerung: Zeitgemäße Sexualpädagogik muss sich einer Vielzahl neuer Herausforderungen stellen und entwicklungsangepasst ab der frühen Kindheit zum Wohl der Kinder und Jugendlichen evidenzbasiert Informationen bereitstellen.

Praxisbeitrag

Heft 1/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 1/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende März 2019 ist Heft 1/2019 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Marie Louise Stübler & Inga Becker-Hebly: Sexuelle Erfahrungen und sexuelle Orientierung von Transgender-Jugendlichen

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Eine körpermedizinische Behandlung bei erwachsenen Transgender-Personen steht mit positiven Ergebnissen bezüglich der sexuellen Zufriedenheit in Zusammenhang sowie im Jugendalter mit einem verbesserten psychosozialen Wohlbefinden. Dennoch gibt es bisher nur eine Studie, die die sexuellen und romantischen Erfahrungen von Transgender-Jugendlichen vor Beginn einer solchen Behandlung untersucht hat. Forschungsziele: Ziel war es, das Sexualverhalten von unbehandelten Transgender-Jugendlichen, die in der Hamburger Spezialsprechstunde die Diagnose Geschlechtsdysphorie erhalten hatten, zu untersuchen. Methoden: Es wurden die Häufigkeitsangaben zu sexuellen Erfahrungen aus den Fragebogen-Sets von n = 126 unbehandelten Transgender-Jugendlichen im Alter von 15.6 Jahren deskriptiv ausgewertet. Dabei wurde zudem nach Geschlecht und Altersgruppen unterschieden sowie nach dem Ausmaß der sozialen Transition. Ergebnisse: Während die Mehrzahl der befragten Jugendlichen schon einmal verliebt (85 %) bzw. in einer festen Partnerschaft (65 %) war und etwa die Hälfte der Befragten sexuelle Fantasien und Masturbation berichtete, waren sie in den körperlich-sexuellen und Partner*innen-assoziierten Erfahrungsbereichen weniger erfahren. Weniger als die Hälfte (44 %) berichtete von intimen sexuellen Erfahrungen mit anderen Jugendlichen oder Geschlechtsverkehr (knapp 14 %). Ältere Jugendliche (15–18 Jahre) und jene, die bereits eine soziale Transition vollzogen hatten, machten vergleichsweise mehr sexuelle Erfahrungen als jüngere Jugendliche (11–14 Jahre) oder jene, die überwiegend in der Rolle des Zuweisungsgeschlechts lebten. Schlussfolgerung: Die befragten Transgender-Jugendlichen machten nicht die sexuell-körperlichen Partner*innen-assoziierten Erfahrungen, die andere Jugendliche im gleichen Alter machen. Dieser Befund verweist auf die mögliche Bedeutung einer Transition im Jugendalter für die psychosexuelle Entwicklung. Ebenso verweist er auf die Bedeutung des Schutzraums einer psychosozialen Beratung oder Therapie für Transgender-Jugendliche, um sexualitätsbezogene Themen bei Bedarf besprechen zu können.

  • Ute Lampalzer, Pia Behrendt, Arne Dekker, Peer Briken & Timo O. Nieder: Was benötigen LSBTI-Menschen angesichts ihrer Sexual- und Geschlechtsbiografien für eine bessere Gesundheitsversorgung?

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Studien deuten darauf hin, dass LSBTI-Menschen im Gesundheitssystem häufig mit Herausforderungen und Benachteiligungen konfrontiert sind, die eng mit ihren Sexual- und Geschlechtsbiografien verbunden sind. Für eine deutsche Großstadt liegt hierzu noch keine zielgruppenübergreifende Untersuchung vor. Forschungsziele: Ziel der Studie ist die Beantwortung der Frage, was behandelnde und beratende Fachkräfte über die Sexual- und Geschlechtsbiografien von LSBTI-Menschen wissen sollten und wie sie in ihrer jeweiligen Praxis mit LSBTI-Menschen umgehen sollten, um im Stadtstaat Hamburg eine bessere Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können. Methoden: Es wurden fünf Expert_inneninterviews mit LSBTI-Menschen und drei Fokusgruppen durchgeführt und mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass es von zentraler Bedeutung ist, dass Fachkräfte im Gesundheitswesen eigene Annahmen und Vorurteile gegenüber LSBTI-Menschen ehrlich hinterfragen. Außerdem sollten sie insbesondere mit Herausforderungen des Coming-outs vertraut sein, diverse Lebens- und Beziehungsmodelle mitdenken, unterschiedliche Phasen der sexuellen und geschlechtlichen Entwicklung sowie Einflüsse darauf kennen, sexuelles Verhalten und sexuelle Identität unterscheiden – und all dies bei der Behandlung bzw. Beratung bedarfsgerecht berücksichtigen. Schlussfolgerung: Für eine bessere Gesundheitsversorgung sollten Fachkräfte für die allgemeinen und individuellen Herausforderungen in den Sexual- und Geschlechtsbiografien von LSBTI-Menschen sensibilisiert sein und relevante Themen direkt ansprechen.

Dokumentation

Heft 4/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 4/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende Dezember 2018 ist Heft 4/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Franziska Breu & Hertha Richter-Appelt: Eine retrospektive Erfassung des erinnerten Erziehungsstils und der Familienstruktur von Personen mit transidentem Erleben

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Bisher bestehen wenig gesicherte wissenschaftliche Daten zur innerfamiliären Beziehungsqualität sowie zu dem Erziehungsstil der Eltern von transidenten Personen. Forschungsziel: Ziel der Studie war es, die Erziehungseinstellung und -praktiken sowie die Qualität innerfamiliärer Beziehungen von transidenten Personen rückblickend zu erfassen. Methoden: An einer Stichprobe von 99 Teilnehmenden wurde untersucht, ob sich transidente Personen (N = 46) bezüglich des erinnerten Erziehungsstils beider Elternteile sowie der Qualität der innerfamiliären Beziehungen von Personen ohne transidentes Erleben (N = 53) unterscheiden. Zusätzlich wurde die Gruppe der transidenten Personen hinsichtlich der erzielten Werte auf den FEPS-Skalen mit einer intergeschlechtlichen Stichprobe (N = 37) verglichen. Der erinnerte Erziehungsstil wurde mit dem Fragebogen zu Erziehungseinstellungen und Erziehungspraktiken (FEPS), die Qualität der familiären Beziehungen mit der Beziehungs-Kontext-Skala (BKS) erfasst. Ergebnisse: In der Gegenüberstellung mit der Vergleichsgruppe erinnerten transidente Personen im Durchschnitt sowohl Mutter als auch Vater als weniger fürsorglich und autonomiefördernd und den Vater in einem stärkeren Maß als bestrafend. Zudem bewerteten transidente Personen die erinnerten Beziehungsrepräsentanzen innerhalb der Familie negativer. Ferner berichtete die Gruppe der transidenten Personen über eine höhere Trennungsrate der Eltern. Die intergeschlechtliche Stichprobe erinnerte im Vergleich zu den transidenten Personen sowohl Mutter als auch Vater als weniger fürsorglich und autonomiefördernd und als stärker bestrafend und materiell belohnend. Schlussfolgerung: Die Resultate stützen die Annahme, dass die Eltern-Kind-Beziehung von transidenten Personen sowie von intergeschlechtlichen Personen deutlichen Belastungen ausgesetzt sein kann.

  • Nicola Döring: Wie wird das Problem des sexuellen Kindesmissbrauchs auf YouTube thematisiert?

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Sexueller Kindesmissbrauch (SKM) ist ein weit verbreitetes und gravierendes gesellschaftliches Problem. Eine verbesserte Problemlösung im Sinne wirkungsvoller Prävention und Intervention hängt von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt davon, wie die Medien die breite Öffentlichkeit und die Politik über das komplexe Problem informieren. Aus diesem Grund wurde bereits mehrfach untersucht, wie SKM in Presse und Fernsehen, Büchern und Kinofilmen dargestellt wird. Forschungsziele: Die vorliegende Studie betrachtet erstmals, wie sexueller Kindesmissbrauch auf der Videoplattform YouTube thematisiert wird. Die Untersuchung von YouTube ist besonders relevant, da es sich national wie international um die reichweitenstärkste Social-Media-Plattform handelt. Methoden: Auf der Basis einer Analyse von N = 300 deutschsprachigen sowie ausgewählten englischsprachigen SKM-bezogenen YouTube-Videos wird herausgearbeitet, 1) von wem diese Videos stammen, 2) welche Form und welche Inhalte sie haben, 3) wie ihre Qualität einzuschätzen ist, und 4) welche Nutzungsweisen ihre Social-Media-Metriken erkennen lassen. Ergebnisse: Im Vergleich zur massenmedialen Behandlung von SKM zeigen sich in der SKM-Thematisierung auf YouTube spezifische Stärken (z. B. verstärkte Beteiligung Betroffener am Diskurs), aber auch neue Schwächen (z. B. ideologische Instrumentalisierung des Missbrauchsproblems). Ebenso zeigen sich Differenzen in der Repräsentation des Missbrauchsproblems zwischen der deutsch- und der englischsprachigen YouTube-Sphäre. Schlussfolgerung: Viele Forschungslücken zur SKM-Thematisierung auf YouTube sind noch zu schließen. Die pädagogische, beraterische und journalistische Praxis sind gefordert, die SKM-Thematisierung auf YouTube konstruktiv mitzugestalten.

  • Stephanie Leitz & Jörg Signerski-Krieger: Sexualität der Vielfalt? Eine empirische Untersuchung niedersächsischer Biologiebücher

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Der Landtagsbeschluss in Niedersachsen vom 15.12.2014 fordert, Schule müsse bei der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten (Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität) berücksichtigen. Die Schulbuchverlage wurden aufgefordert, die Schulbücher für das Land Niedersachen dieser Zielsetzung folgend zu überarbeiten. Forschungsziele: Ziel der vorliegenden Studie war es, die Umsetzung der veränderten Anforderungen exemplarisch anhand von zwei Schulbuchreihen des Faches Biologie zu analysieren. Methoden: Die Schulbücher wurden anhand einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2002) untersucht und verglichen. Ergebnisse: Es konnte gezeigt werden, dass die Umsetzung der Beschlüsse des Niedersächsischen Landtags partiell erfolgt ist. Eine Unterstützung von Jugendlichen in der Entwicklung ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität findet teilweise statt, jedoch sind die Ergebnisse qualitativ sehr unterschiedlich: Während die Schulbuchtexte in Bezug auf verschiedene Formen sexueller Orientierung zunehmend inklusiver verfasst wurden, ist die Darstellung von Intergeschlechtlichkeit und Transidentität in den beiden untersuchten aktuellen Schulbüchern knapp gehalten, teilweise fehlerhaft oder steht im Widerspruch zu anderen Teilen der Schulbuchtexte. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten bisher in Schulbüchern nur unzureichend abgebildet ist.

Dokumentation

Praxisbeitrag

Schwerpunktheft der Zeitschrift für Sexualforschung (3/2018): Sex-Survey-Forschung in Deutschland

Schwerpunktheft der Zeitschrift für Sexualforschung (3/2018): Sex-Survey-Forschung in Deutschland

Mit der Ausgabe 3/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung ist ein Schwerpunktheft zu Sex-Survey Forschung erschienen. Das Schwerpunkheft stellt erste Ergebnisse einer Pilotstudie für einen repräsentativen Sex-Survey in Deutschland zusammen.

Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

Praxisbeitrag

Band 107 der Beiträge zur Sexualforschung: Alexander Korte – Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext

Band 107 der Beiträge zur Sexualforschung: Alexander Korte – Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext

Alexander Korte hinterfragt kritisch den negativen Einfluss pornografischer Angebote auf minderjährige KonsumentInnen und unterscheidet dabei zwischen Kindern und Jugendlichen und den verschiedenen Inhalten von Online-Pornografie. So regt er dazu an, die Verwahrlosungs- und Viktimisierungsdebatte über (Online-)Pornografie kritisch zu reflektieren und die augenfällige »moralische Panik« auf unbewusste Motive zu untersuchen, ohne jedoch die möglichen, aus entwicklungspsychologischer Sicht keineswegs zu unterschätzenden Risiken zu übersehen.

Korte untersucht das alltagskulturelle Phänomen der Pornografie sowohl aus psychoanalytisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive als auch aus Sicht der empirischen Sexualwissenschaft und der Entwicklungspsychologie. Er beschreibt die unterschiedlichen psychischen Integrationsaufgaben von Jungen und Mädchen im Zuge der pubertätsbedingten körperlichen und psychosexuellen Reifung, die für das Verständnis des ausgeprägten Gendereffekts bei der Nutzung von pornografischen Angeboten wichtig sind.

Mit „Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext – Psychoanalytische, kultur- und sexualwissenschaftliche Überlegungen zum anhaltenden Erregungsdiskurs“ ist Band 107 der Beiträge zur Sexualforschung erschienen. (Zur Website des Psychosozial-Verlags)

Heft 2/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 2/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende Juni 2018 ist Heft 2/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

Dokumentation

Praxisbeitrag

Bericht

Heft 1/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Heft 1/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende März 2018 ist Heft 1/2018 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Sefik Tagay, Anja Breidenstein, Hans-Christoph Friedrich, Herbert Rübben, Martin Teufel & Jochen Hess: Entwicklung und Validierung des Essener Transidentität Lebensqualitäts-Inventars anhand einer Stichprobe von Mann-zu-Frau transidenten Personen
    Zusammenfassung

    Einleitung: Die spezifische Lebensqualität (LQ) transidenter Menschen ist bislang unzureichend untersucht worden, zudem existiert bislang kein Messverfahren zur Erfassung der transidentitätsspezifischen LQ. Forschungsziele: Ziel der Studie war es, das Essener Transidentität Lebensqualitäts-Inventar (ETLI), bestehend aus 30 Items, zu entwickeln und zu validieren. Methoden: Bei 158 Mann-zu-Frau (MzF) transidenten Personen wurden neben dem ETLI Instrumente zur Erfassung von LQ, sozialer Unterstützung, individueller Ressourcen und psychischer Belastung eingesetzt. Es wurde eine explorative Faktorenanalyse durchgeführt. Ergebnisse: Mittels der explorativen Faktorenanalyse wurden die vier Dimensionen psychische, körperliche und soziale LQ sowie LQ durch Offenheit identifiziert. Die Subskalen zeigten eine gute Reliabilität mit Werten von Cronbachs α zwischen α = .75 und α = .89, die Gesamtreliabilität betrug α = .89. Positive Korrelationen des ETLI mit generischer LQ und Ressourcen sowie negative Korrelationen mit psychischer Belastung weisen auf eine sehr gute Konstruktvalidität hin. Schlussfolgerung: Das ETLI als Instrument zur Erfassung der transidentitätsspezifischen LQ stellt eine wichtige Ergänzung zu Messinstrumenten der generischen LQ dar. Es kann im Forschungs- und Versorgungskontext sowie bei der retrospektiven Evaluation von Veränderungen der LQ und bei der Therapieplanung zum Einsatz kommen.

  • Richard Lemke & Tobias Tornow: Darstellungen von Sexualität in den Massenmedien: Ansätze, Theorien und Befunde inhaltsanalytischer Forschung
    Zusammenfassung

    Einleitung: Darstellungen von Sexualität in den Massenmedien können als kulturelle Szenarien von Sexualität im Sinne der Theorie sexueller Skripte angesehen werden. Forschungsziele: Der Beitrag soll – mit einem Fokus auf diejenigen Skripte, die in alltägliche Unterhaltungsmedien eingebunden sind – einen aktuellen Überblick über inhaltsanalytische Studien zu Sexualitätsdarstellungen in Massenmedien geben. Methoden: Verschiedene forschungslogische Ansätze von Inhaltsanalysen werden diskutiert. Darauf aufbauend werden die theoretischen Einbettungen sexualitätsbezogener Inhaltsanalysen aufgezeigt. Anschließend wird anhand ausgewählter Schlüsselstudien dargestellt, wie sexuelles Verhalten inhaltsanalytisch bisher operationalisiert wurde, und welche empirischen Befunde vorliegen. Ergebnisse: Es zeigt sich, dass Sexualitätsdarstellungen in massenmedialen Unterhaltungsformaten allgegenwärtig sind, aber nicht besonders explizit ausfallen. Weiterhin zeigt sich, dass mediale Sexualitätsdarstellungen bis heute sehr stark geschlechterstereotypisierend ausfallen, allerdings mit deutlichen Differenzen zwischen verschiedenen Mediengenres. Schließlich deutet der Forschungsstand darauf hin, dass die sexuellen Risiken und Konsequenzen von Sex in Unterhaltungsmedien verhältnismäßig selten thematisiert werden. Schlussfolgerung: Die Forschung zu sexuellen Mediendarstellungen im deutschsprachigen Raum weist noch viele Lücken auf. Künftige Studien sind angezeigt.

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Praxisbeitrag

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