Sexualberatung

Dieses Curriculum richtet sich an Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen, die in ihrem beraterischen und medizinischen Kontext Basiskompetenzen bei der Grundversorgung sexueller Probleme und Störungen erwerben wollen. Das Curriculum umfasst 70 Stunden.

Durch den Erwerb dieser Basiskompetenzen soll eine Grundversorgung im Bereich sexueller Probleme und Störungen gewährleistet werden. Erwachsene und Jugendliche, Männer und Frauen mit sexuellen Problemen und Störungen wenden sich in den meisten Fällen zunächst an ihre HausarztIn, GynäkologIn, UrologIn oder an PsychologInnen, SozialpädagogInnen usw. in den Beratungsstellen. Diese Kolleginnen und Kollegen haben die Möglichkeit sehr früh zu helfen bzw. adäquate Wege der Hilfe aufzuweisen, wenn sie entsprechend ausgebildet sind. Der Sexualberatung kommt deshalb eine erhebliche präventive und kurative Bedeutung zu. Die dazu notwendigen Kompetenzen sollen in einer 70 Stunden umfassenden Weiterbildung erworben werden.

1. Eingangsberuf und Eingangsvoraussetzungen

  • Ärzte/Ärztinnen, Psychologen/Psychologinnen, Sozialpädagogen/ Sozialpädagoginnen und auch Angehörige anderer Berufsgruppen, die in ihrem Arbeitsfeld mit sexuellen Problemen ihrer Klientel konfrontiert werden.
  • Möglichkeiten zur Anwendung der erworbenen Kompetenzen in der Berufspraxis.
  • Die regionalen Fortbildungsleitungen können ein Eingangsgespräch als Voraussetzung zur Teilnahme durchführen.

2. Ziele der Fortbildung

  • Wahrnehmung und Erkennen sexueller Probleme und Konflikte
  • Kompetenz zum konkreten und differenzierten Sprechen über Sexualität und sexuelle Probleme in der Beratungssituation
  • Diagnostische Kompetenz
  • Vermittlungs- und Überweisungskompetenz
  • Beratungskompetenz

3. Organisationsform

Interdisziplinäre, berufs- und praxisbegleitende Weiterbildung. Das Curriculum kann entweder im Rahmen eines regionalen Kursangebotes absolviert werden (Größe der Weiterbildungsgruppen: bis zu maximal 24 Personen) oder als CI Flex im Baukastensystem

4. Inhalte

4.1. Theoretischer Teil

4.1.1 Grundlagen

  • Gesellschaftliche und kulturelle Grundlagen der Sexualität
  • Anatomische und physiologische Grundlagen
  • Entwicklungspsychologische Grundlagen
  • Psychodynamik, Konflikte bzw. Verhalten, Kognition, Emotion

4.1.2   Klinische Aspekte

  • Sexuelle Störungen: Symptomatologie, Ätiologie, Dynamik, Klassifikation
  • Überblick über Beratungs- und Behandlungskonzepte in verschiedenen Settings, einschließlich medikamentöser/chirurgischer Behandlungsangebote
  • Sexualrechtliche Grundlagen

4.2. Praktischer Teil

4.2.1 Themenzentrierte Selbstreflexion

  • Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Sexualität
  • Auseinandersetzung mit sexueller Vielfalt und sexuellen Tabus
  • Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauch

4.2.2 Entwicklung von Kompetenzen

  • Beziehungsaufbau, Beziehungsdynamik und Beziehungsgestaltung
  • Gesprächsführung bei Diagnostik und Beratung

4.2.3 Erstgespräche/Interventionen und Beratungen unter Supervision

5. Didaktik

Seminare, Literaturstudium, Fallbesprechungen, ferner z.B. Rollenspiele und Übungen, Demonstrationen; Praxistätigkeit unter Supervisionsbegleitung.

6. Umfang

Theoretische und praktische Inhalte einschließlich Supervision: 54 Stunden

Themenzentrierte Selbstreflexion in Gruppen: 16 Stunden

Gesamt: 70 Stunden

7. Anerkennung

Regelmäßige Teilnahme (Fehlzeiten: höchstens 10%), 2 supervidierte Erstgespräche/Interventionen, 2 zwei- bis fünfstündige supervidierte Beratungen (im Verhältnis 1 Std Supervision pro 2 Stunden mit KlientIn)

Bei erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnerhmer_innen ein Zertifikat: Sexualberatung nach den Kriterien der DGfS.


Stand: Oktober 2019, Der Fort- und Weiterbildungsausschuss der DGfS