Sexualmedizinische Weiterbildung

Die Zusatz-Weiterbildung „Sexualmedizin“ der DGfS umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Störungen oder Erkrankungen, welche die sexuelle Funktion, das sexuelle und/oder partnerschaftliche Erleben und Verhalten sowie die geschlechtliche Identität betreffen, auch wenn diese infolge anderer Krankheiten und/oder deren Behandlung auftreten und/oder mit sexuellen Traumatisierungen verbunden sind.

1. Fortbildungsziel

Ziel der Fortbildung ist die Erlangung fachlicher Kompetenz in Sexualmedizin nach Ableistung der im Curriculum vorgeschriebenen Fortbildungszeit und Fortbildungsinhalte. Voraussetzung zum Erwerb des ankündigungsfähigen Fortbildungsnachweises Sexualmedizin (DGfS) ist eine Facharztanerkennung (Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Gynäkologie, Urologie, Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Dermatologie, Andrologie, u.a.).

2. Fortbildungszeit

120 Stunden Theorie gemäß §4 Abs. 8 WBO in Sexualmedizin und zusätzlich 120 Stunden Fallseminare unter Supervision eines(r) von der DGfS Befugten. Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.

3. Fortbildungsinhalte

3.1. Wissen

  • Soziale, biologische und psychologische Grundlagen menschlicher Sexualitäten
  • Kenntnisse über psychotherapeutische und organmedizinische Behandlungsmöglichkeiten bei Störungen der sexuellen Funktion, Varianten der sexuellen Präferenz und Geschlechtsidentität und entsprechende Überweisungskompetenz
  • Diagnostik und Indikationsstellung für psychotherapeutische Behandlungen/ Interventionen bei sexuellen Störungen, Geschlechtsinkongruenz und Intersexualität
  • fachgebundene somatische Behandlung von sexuellen Störungen, Geschlechtsinkongruenz und Intersexualität
  • Kenntnisse über Zusammenhänge zwischen Störungen der Sexualität und organischen Erkrankungen
  • Kenntnisse über Zusammenhänge zwischen Störungen der Sexualität im Zusammenhang mit operativen Eingriffen
  • Kenntnisse über Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten im Bereich der Sexualitäten
  • Kenntnisse über sexuelle Störungen im Zusammenhang mit Reproduktion und reproduktionsmedizinischen Maßnahmen
  • Kenntnisse über rechtliche Aspekte bei der Behandlung von Varianten der Geschlechtsidentität, Intersexualität, sexueller Devianz und sexueller Traumatisierung

3.2. Erlangen von Fertigkeiten

  • Erheben einer Sexualanamnese
  • Verbalisieren sexueller Verhaltensweisen, Erfahrungen, Probleme und genitalphysiologische Reaktionen
  • Beratung, Diagnostik und fachgruppenspezifische Behandlung bei Störungen der Sexualitäten, Geschlechtsinkongruenz, Intersexualität und Problemen in Folge sexueller Traumatisierungen
  • Überweisungskompetenz
  • Einleitung und Koordination notwendiger weiterer somatischer Behandlungen
  • Koordination notwendiger sozialtherapeutischer Maßnahmen insbesondere auch in Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen