Heft 1/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung

Ende März 2020 ist Heft 1/2020 der Zeitschrift für Sexualforschung erschienen. Das Heft und die einzelnen Beiträge sind hier als pdf auf der Website des Verlags erhältlich.

Inhalt:

Originalarbeiten

  • Jonathan Czollek & Christoph Muck: Prävention sexualisierter Gewalt – Evaluation eines universitären Seminars für angehende Lehrkräfte

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Angesichts hoher Prävalenzen und schwerwiegender Konsequenzen von sexualisierter Gewalt sind evidenzbasierte Präventionsansätze notwendig. Eine Variante stellen hierbei universitäre Seminare für angehende Lehrkräfte dar, da diese als potentielle Multiplikator_innen verschiedene präventive Schutzfunktionen einnehmen können. Forschungsziele: Da empirische Wirksamkeitsbelege hier jedoch weitgehend fehlen, war das Ziel dieser Studie die Evaluation eines universitären Seminares zur Prävention sexualisierter Gewalt. Dazu wurden aus der Bystander- und der Selbstwirksamkeitsforschung verschiedene Wirksamkeitskriterien abgeleitet: Vorurteile, Rollenambiguität, Selbstwirksamkeitserwartung, Klarheit der Grenzeinschätzung und sorgenvolle Emotionen. Methoden: Im Rahmen eines quasi-experimentellen Designs wurden einer Interventionsgruppe, die am Seminar teilnahm (N = 22; MAlter = 22.5, SD = 3.14), und einer Kontrollgruppe (N = 17; MAlter = 24.29, SD = 2.37) Fragebögen vorgelegt. Ergebnisse: Die Interventionsgruppe zeigte nach der Teilnahme signifikant weniger Vorurteile (d = -.74) und höhere Selbstwirksamkeitserwartung (d = .89). Es fanden sich Hinweise darauf, dass das Seminar die Rollenambiguität senkt (η2 = .57) und die Klarheit der Grenzeinschätzung steigert (d = 1.07). In Bezug auf die sorgenvollen Emotionen wurden keine Effekte gefunden.

  • Sabrina Eberhaut, Peer Briken & Reinhard Eher: Die Bedeutung kognitiver Verzerrungen für die Diagnose einer pädosexuellen Präferenzstörung bei inhaftierten Tätern mit Sexualdelikten in Österreich

    Zusammenfassung:

    Einleitung: Unter kindesmissbrauchsspezifischen kognitiv verzerrten Sichtweisen versteht man pathologische Wahrnehmungsverzerrungen, die es einem Täter ermöglichen, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu bahnen und nach den Tathandlungen zu rechtfertigen. Zu diesen Verzerrungen zählen unter anderem die Annahmen, dass Kinder Sex mit Erwachsenen wünschen oder dass sexuelle Handlungen von Erwachsenen an Kindern diesen keinen Schaden zufügen. Forschungsziele: Zusammenhänge zwischen solchen Verzerrungen und dem Störungsbild einer Pädophilie wurden untersucht. Insbesondere verfolgten wir dabei die Hypothese, dass kognitive Verzerrungen Ausdruck eines klinischen Störungsbildes sind und nicht lediglich mit dem Umstand einhergehen, ein Kind sexuell zu missbrauchen. Methoden: Dafür wurde ein Fragebogen entwickelt, der N = 632 Tätern (davon N = 462 an Kindern) vorgelegt wurde, die in Österreich ein Sexualdelikt begangen hatten und deshalb eine Haftstrafe verbüßten. Die Täter wurden jeweils einer von insgesamt vier Gruppen zugeordnet (Sexualstraftäter mit erwachsenen Opfern, Kindesmissbrauchstäter ohne Diagnose einer Pädophilie, Kindesmissbrauchstäter mit nicht-ausschließlicher Pädophilie, Kindesmissbrauchstäter mit ausschließlicher Pädophilie). Die Ergebnisse wurden einer Faktorenanalyse unterzogen, die einzelnen Faktoren und der Gesamtwert auf Unterschiede zwischen den Tätergruppen überprüft. Ergebnisse: Die vorliegenden Daten legen den Schluss nahe, dass nicht der Umstand allein, ein Kind sexuell zu missbrauchen, mit solchen Verzerrungen einhergeht, sondern vielmehr die Diagnose einer pädophilen Störung. Insbesondere Personen mit der Diagnose einer ausschließlichen pädophilen Störung gaben derartige Kindesmissbrauchsmythen an. Vor allem Glaubenssätze, die aus psychodynamischer Sicht als Spaltung, Projektion und projektive Identifizierung der eigenen Devianz auf Kinder verstanden werden können, waren bei gegebener Diagnose einer exklusiven pädophilen Störung am stärksten ausgeprägt. Schlussfolgerung: Wahrnehmungsverzerrungen können als Abwehrmechanismen einer pädophilen Störung verstanden werden, die auch zur Untermauerung der Diagnose dienen können.

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