Workshops und Referenten

Überblick
Informationen und Hotels
Workshops und Referenten
Programm
Anmeldung

 

Alle Workshops finden parallel statt und erstrecken sich über die gesamte Tagung. Das bedeutet, Sie nehmen im Rahmen der Workshoptagung nur an einem Workshop teil. Eine Auswahl treffen Sie im Rahmen der Anmeldung.

1. Dr. med. Melanie Büttner: Sexuelle Probleme nach sexueller Gewalt

Menschen, die in der Vergangenheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erleben ihre Sexualität fortan oft als belastend. Intrusives Wiedererleben, Dissoziation und vielfältige Körperbeschwerden lassen intime Begegnungen zu schwer erträglichen Erfahrungen werden, die vermieden oder auf selbstschädigende Weise erduldet werden. Auf der anderen Seite kann es zu riskantem oder zwanghaftem Sexualverhalten kommen. Partnerschaftsprobleme, Beziehungslosigkeit, psychische Krisen und schwere körperliche Erkrankungen zählen zu den typischen Folgen. Die Ressource der Sexualität als Möglichkeit, Verbundenheit und Sinnlichkeit zu erleben, ist nicht zugänglich. Der Workshop gibt einen Einblick in die Symptomatik traumaassoziierter sexueller Störungen und stellt ein integratives Behandlungskonzept vor, das es Betroffenen ermöglicht, Traumafolgen zu reduzieren, Selbstfürsorge und Selbstbestimmtheit zu entwickeln und sich ihrer Sexualität auf positive Weise anzunähern.

Literatur:

Büttner, M. (Hrsg.). Sexualität und Trauma – Grundlagen und Therapie traumaassoziierter sexueller Störungen. Schattauer, 2018.

2. Dr. med. Ruth Gnirss-Bormet & Dr. rer. medic. Marianne Eberhard: Sexualität beginnt im Tanz zwischen Eltern und Kind – der Attunement-fokussierte Ansatz in der Paar- und Sexualtherapie

Im Säuglingsalter ebenso wie in der erwachsenen Sexualität spielen nonverbale Interaktionen eine wesentliche Rolle. Auf der Basis klinischer Erfahrung und mit Bezug zu Erkenntnissen aus Entwicklungspsychologie, Neurobiologie und (Körper-)Psychotherapie haben die Dozentinnen eine neue Betrachtungsweise zur Entstehung sexueller Störungen erarbeitet: Selbstbezug und die Sprache des Körperdialogs werden im Tanz zwischen Eltern und Kind vermittelt, so die These der Dozentinnen. Entsprechend können durch Fehlabstimmungen, d.h. gestörte präverbale körperliche Interaktionsmuster zwischen Eltern und Baby sexuelle Störungen entstehen.
Anhand von Fallbeispielen der Dozentinnen und im eigenen Erleben wollen wir erforschen, wie diese Perspektive in der Paar- und Sexualberatung Verständnis und Veränderungsmöglichkeiten eröffnen kann. Die Teilnehmer*innen sind eingeladen, eigene Fälle einzubringen.

Bitte bewegungsfreundliche Kleidung und warme Socken mitbringen.

Literatur:

Eberhard-Kaechele, M.; Gnirss-Bormet, R. (2017). Sexualität beginnt im Tanz zwischen Eltern und Kind. Der Attunement-fokussierte Ansatz in der Sexualtherapie. In: T. Harms & M. Thielen Körperpsychotherapie und Sexualität. Psychosozial Verlag, S. 97-119.

3. M. Sc. Psych. Thula Koops: Sexueller Schmerz bei Frauen: ein kritischer Blick auf Symptomverständnis und Therapie

Sexuell bedingte vulvovaginale Schmerzen machen manchen Frauen dieTeilhabe am Geschlechtsverkehr unerträglich oder sogar unmöglich. Die Belastung für die Betroffenen und auch ihre Partner ist erheblich. 
Ein maßgeblicher Unterschied zu anderen psychosomatischen Schmerzen ist, dass heterosexueller Geschlechtsverkehr in unserer Kultur eine symbolisch hochbedeutsame Praxis darstellt. Oft wird erst durch den Einbezug körperlicher, psychodynamischer und paardynamischer Faktoren klar, weshalb manche Frauen trotz anhaltender Schmerzen weiterhin Geschlechtsverkehr praktizieren. Wird diese Dimension in der Sexualtherapie nicht mitgedacht, läuft die Behandlung Gefahr, wichtige Entstehungsbedingungen für die sexuellen Schwierigkeiten sowie mögliche Behandlungsziele außer Acht zu lassen.
 Anhand von öffentlichen und wissenschaftlichen Debatten, Studienergebnissen und klinischen Beispielen werden wir uns in diesem Workshop mit Fragen nach dem gesellschaftlichen Einfluss auf Symptomgenese und Behandlung, sowie nach der Rolle und Verantwortung von Therapeut*innen auseinandersetzen, gerne auch anhand mitgebrachter Fälle der Teilnehmenden.

4. Dr. med. Alexander Korte, M.A.: Porno(graf)isierung des Alltags? Wirkannahmen, Mythen und Tatsachen zum Einfluss pornografischer Medieninhalte auf die psychosexuelle Entwicklung

Der Workshop befasst sich mit der Frage nach möglichen Negativ-Auswirkungen von Pornografie auf die psychosexuelle Entwicklung von Minderjährigen. Dabei wird zum einen zwischen verschiedenen Altersgruppen (Kinder vs. Jugendliche) und zum anderen zwischen unterschiedlichen Arten von Online-Pornografie unterschieden, woraus sich eine differenzierte Gefahreneinschätzung ableiten lässt. Neben den Schattenseiten, welche die heute frei zugängliche Pornografie mit sich bringt, werden auch mögliche positive Effekte beleuchtet und gleichzeitig kritisch hinterfragt. Ausführlich wird auf das in vielen Studien beschriebene, aber selten erklärte, differente Nutzungsverhalten von Mädchen und Jungen eingegangen und die jeweilige Wirkung auf das Geschlechterrollen-Verständnis diskutiert. Der Gegenstand Pornografie wird dabei sowohl aus der Sicht der empirischen Sexualwissenschaft und Entwicklungspsychologie als auch aus medien- und psychoanalytisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Im Zuge dieser mehrdimensionalen, transdisziplinären Analyse wird auch der Versuch einer gesellschaftlichen Kontextualisierung der beobachtbaren Veränderungen im Bereich der Pornografie unternommen und zugleich die massenmedial geführte Verwahrlosungsdebatte einer kritischen Reflexion unterzogen.

Literatur:

Korte, A: Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext – Psychoanalytische, kultur- und sexualwissenschaftliche Überlegungen zum anhaltenden Erregungsdiskurs. Gießen: Psychosozial-Verlag, 2018.

5. PD Dr. phil. Dipl.-Psych. Birgit Möller: Geschlechtsdysphorie | Geschlechtsinkongruenz | Trans*identität im Kindes- und Jugendalter

Zunächst führen wir in das Thema der Geschlechtlichkeit (Geschlechterrollen, Geschlechtsidentität, biologisches/soziales Geschlecht, sexuelle Orientierung etc.) ein und gehen auf die Entwicklung(en) von Geschlechtsidentität(en) ein.

Wir werden uns u.a. mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Welche Anschauungen haben wir von Geschlechtlichkeit bzw. welchen Einfluss haben kulturelle Vorstellungen auf unsere Anschauung(en)?
  • Welche wissenschaftlichen Diskurse werden in Bezug auf den Geschlechtsbegriff diskutiert?
  • Welchen Einfluss hat meine Vorstellung von Geschlecht auf die Behandlung von trans*identen Menschen?
  • Welche Grundlagen zur Vielfalt geschlechtlicher Identitäten gibt es?

Anschließend werden wir uns mit der psychotherapeutischen und interdisziplinären Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie/ Geschlechtsinkongruenz/ Trans*identität beschäftigen. Hierzu gehören folgenden Aspekte:

  • Ethische und rechtliche Rahmenbedingungen
  • die Haltung des/der Therapeut*in
  • Diagnostik
  • Psychotherapie
  • begleitende Elternarbeit
  • Entwicklungsverläufe
  • Umgang mit Diskriminierung und Einbezug des sozialen Umfelds
  • Indikationsstellungen für körpermedizinische Behandlungen (u.a. Hormonbehandlung, Mastektomie, Genital-OP)
  • spezifische Gegenübertragungs- und Übertragungsreaktionen
  • Leitlinien

Fallvignetten und Videos werden zur Illustration herangezogen.

Ziel ist, die Befähigung zur psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie/ Geschlechtsinkongruenz/ Trans*identität zu befördern.

6. M. Sc. Psych. Laura I. Kürbitz: Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans* Identitäten bei Erwachsenen – ein Feld in Transition?

Trans*Personen sind Menschen bei denen das erlebte Geschlecht nicht, oder nicht vollständig, mit dem körperlichen Geschlecht übereinstimmt. Der damit oft einhergehende klinisch relevante Leidensdruck kann gegebenenfalls mit einer Transition in das erlebte Geschlecht gelindert werden. Mit der Einführung der ICD-11 und der Veröffentlichung der „S3-Leitlinie zur Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit“ haben sich grundlegende diagnostische Prinzipien und Ansätze in der Behandlung verändert. In der Folge gibt es eine breite und kontroverse Debatte über die Behandlung und Indikation von körperverändernden Maßnahmen, die sowohl in der Öffentlichkeit als auch zwischen den Fachgesellschaften mit teilweise hoher Emotionalität geführt wird.

In diesem Workshop werden zunächst grundlegende Behandlungsprinzipien und eigene Wirkungsfelder für die verschiedenen Berufsgruppen verdeutlicht. Der Stand der aktuellen Debatte um die Behandlung wird zusammengefasst und gemeinsam diskutiert. Darüber hinaus gibt es Raum zur Reflektion eigener Grundannahmen über Geschlecht und die Rolle als Behandelnde. Bringen Sie gerne eigene Fragestellungen und Behandlungsfälle mit in den Workshop ein.

Literatur: [DGfS] Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung. (2018). Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: S3-Leitlinie zur Diagnostik, Beratung und Behandlung. Version 1.1 (22.02.2019). https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/138-001.html Zugriff am 06.03.2020.

 

 

Die Dozenten

Dr. med. Melanie Büttner
Melanie Büttner ist an der Klinik u. Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar (TU München) beschäftigt. Zu ihren Tätigkeitsfeldern zählen die Betreuung der Sprechstunde für sexuelle Störungen sowie die Arbeit mit traumatisierten Menschen in der Ambulanz und Tagesklinik. Auch wissenschaftlich befasst sie sich mit den Folgen von traumatischen Erfahrungen auf die Sexualität. Sie ist Expertin für das Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE und schreibt in ihrer Podcast-Reihe wissenschaftlich fundiert über Fragen rund um das Thema Sexualität.

Dr. rer. medic. Marianne Eberhard
Marianne Eberhard ist Tanztherapeutin und Ausdruckstherapeutin; Ausbilderin, Lehrtherapeutin und Supervisorin BTD und war langjährig in der Klinik Wersbach und andere Einrichtungen als Tanztherapeutin tätig. Heute ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Bewegungstherapie, Abteilung Neurologie, Psychosomatik und Psychiatrie und tätig in freier Praxis, mit den Schwerpunkten Traumafolgestörungen, Essstörungen, Affektive Störungen und Persönlichkeitsstörungen.

Dr.med. Ruth Gnirss-Bormet
Ruth Gnirss-Bormet ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutische Medizin und war lange Zeit Oberärztin in der Sexualmedizinischen Sprechstunde des Universitätsspitals Zürich. Sie ist Dozentin der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung DGfS und arbeitet in eigener Praxis in Kassel mit den Schwerpunkten Einzeltherapie, Paartherapie sowie Sexualtherapie, sowie in der Weiterbildung und Supervision im Bereich Sexualberatung/Sexualtherapie/ Sexualmedizin.

M.Sc. Psychologie Thula Koops
Thula Koops ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf.

Dr. med. Alexander Korte
Alexander Korte ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung Sexualmedizin und hat einen Master im Fach Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Seit 2010 arbeitet er als Leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW) und Mitherausgeber der Fachzeitschrift Sexuologie.

Laura Kürbitz, M. Sc.
Laura Kürbitz ist als Psychologische Psychotherapeutin (VT) klinisch tätig in der Spezialambulanz für Sexuelle Gesundheit und Transgender-Versorgung an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, wo sie seit über drei Jahren mit Menschen mit Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie arbeitet. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Sexualität von Frauen.

PD Dr. phil. Dipl.-Psych. Birgit Möller
Birgit Möller ist Psychologische Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie ist leitende Psychologin in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie am Universitätsklinikum Münster. Ihre Forschungs- und klinische Schwerpunkte sind Geschlechtsdysphorie, Kinder körperlich kranker Eltern und Flüchtlingskinder. Sie ist Mitglied der Leitlinienkommission zu Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter (AWMF).